
Laguiole vom Discounter:
Was Lidl, Aldi & Co. wirklich verkaufen
15 Euro statt 200: Wie kann das sein?
Es passiert jedes Jahr aufs Neue: Lidl, Aldi, Tchibo oder ein Kaufhaus werben mit "Laguiole-Steakmessern" oder einem "Laguiole-Taschenmesser" für den Preis einer Pizza. Daneben steht bei uns ein Original aus einer französischen Schmiede für das Zehnfache. Beides heißt Laguiole. Beides sieht auf den ersten Blick ähnlich aus, geschwungener Griff, die Biene auf dem Rücken. Wer soll da noch durchblicken?
Die kurze Antwort: Beides darf sich Laguiole nennen, denn der Name ist nicht geschützt. Was die beiden Messer unterscheidet, sehen Sie in einer Minute selbst, wenn Sie wissen, wohin Sie schauen müssen. Genau das zeigt Ihnen diese Seite.
Warum jeder "Laguiole" draufschreiben darf
Laguiole ist ein Dorf im südfranzösischen Aubrac, und der Name des Dorfes ließ sich nie als Marke schützen. Die Folge: Jeder Hersteller der Welt darf ein Messer "Laguiole" nennen, auch wenn es am Fließband in Fernost entsteht und Frankreich nie gesehen hat. Das ist keine Grauzone und kein Betrug im rechtlichen Sinn, es ist schlicht erlaubt.
Deshalb hilft der Schriftzug auf der Klinge allein nicht weiter. Selbst "Made in France" ist mit Vorsicht zu lesen: Es gibt Messer, die aus fernöstlichen Bauteilen in Frankreich nur noch zusammengesetzt werden. Wer sicher wissen will, was er in der Hand hält, muss auf die Machart schauen, nicht auf den Namen. Wie das geht, haben wir auf unserer großen Vergleichsseite Laguiole: echt oder unecht? ausführlich beschrieben, die wichtigsten Punkte folgen hier unten in Kurzform.
Die Aktionswochen bei Discountern und Filialisten
Die Angebote folgen einem Muster: Zu Aktionswochen, gern vor Weihnachten oder zur Grillsaison, tauchen bei Discountern Steakmesser-Sets mit sechs Teilen für den Preis eines einzelnen guten Steakmessers auf, dazu Taschenmesser zwischen 10 und 30 Euro. Auch Filialisten und Kaufhäuser haben immer wieder Sonderangebote mit Laguiole-Schriftzug in den Regalen, oft optisch aufwendig verpackt, mit Holzbox und Zertifikatskärtchen, das allerdings nur die Optik zertifiziert und keine Herkunft.
Zur Ehrlichkeit gehört: Diese Messer sind nicht automatisch Schrott. Es sind industriell gefertigte Gebrauchsmesser, meist aus Fernost, teils aus europäischer Serienfertigung. Sie schneiden, sie liegen in der Hand, und für ein Grillfest mit zwölf Gästen tun sechs Aktions-Steakmesser ihren Dienst. Nur haben sie mit dem Handwerk aus dem Aubrac nichts zu tun, und genau dafür werden sie optisch gehalten.
Der Unterschied in 60 Sekunden
1. Die Biene: Beim Original der großen Schmieden ist die Biene mit dem Ressort (der Rückenfeder) aus einem Stück geschmiedet und geht nahtlos in das oft von Hand guillochierte Ressort über. Beim Aktionsmesser ist die Biene ein flaches, aufgeschweißtes oder aufgeprägtes Blechteil mit wenig Detail. Fahren Sie mit dem Fingernagel über den Übergang: Spüren Sie eine Kante oder Naht, ist die Biene angesetzt. Was die Begriffe bedeuten, zeigt unser Laguiole-Einmaleins.
2. Die Herkunft: Suchen Sie die Herkunftsangabe. "Made in France" mit Nennung der Schmiede (Laguiole en Aubrac, Honoré Durand, Claude Dozorme, Le Fidèle und die anderen) ist ein gutes Zeichen. Steht dort gar nichts, "Inox" allein oder nur ein Fantasiename, kommt das Messer praktisch immer aus industrieller Fertigung.
3. Die Verarbeitung: Beim Original sind Backen, Platinen und Griffschalen plan verschliffen, nichts steht über, die Klinge sitzt mittig und schlägt beim Schließen nicht an. Beim Aktionsmesser finden Sie Spalten zwischen Griff und Backen, Kleberreste, eine wackelnde Klinge oder einen Nagelhau, der nicht sauber ausgeführt ist.
4. Der Preis: Handarbeit hat ihren Boden. Ein von Hand gefertigtes französisches Laguiole beginnt bei den großen Schmieden bei rund 100 Euro, mit geschmiedeter Biene und schönen Hölzern liegt es darüber. Ein Set aus sechs Messern für 20 Euro kann diese Handarbeit nicht enthalten, das ist keine Wertung, sondern Arithmetik.
Was das Aktionsmesser taugt und was nicht
Es taugt: als robustes Alltagsbesteck, für die große Grillrunde, als Messer, dem kein Verlust nachgeweint wird. Wer es so kauft und so versteht, macht nichts falsch.
Es taugt nicht: als Geschenk, das ein Original darstellen soll, als Wertanlage, als Sammlerstück oder als das Messer fürs Leben. Die Enttäuschung entsteht fast immer dann, wenn ein Aktionsmesser als "das berühmte französische Laguiole" verschenkt wird und der Beschenkte den Unterschied kennt.
Unsere Faustregel: Kaufen Sie das Aktionsmesser als das, was es ist, ein Gebrauchsgegenstand. Und kaufen Sie ein Laguiole als das, was es sein soll, ein Stück Handwerk mit Geschichte. Nur verwechseln sollte man die beiden nicht.
Für die zweifelsfreie Echtheit gibt es seit 2013 die A.I.P.C.L., die internationale Vereinigung der Laguiole-Besitzer: Jedes bei uns gekaufte Messer trägt eine eigene Zertifikatsnummer, die sich online prüfen lässt. Ein Discounter-Messer bekommt diese Nummer nie.
Die Schnellprüfung im Laden
Fünf Griffe, eine Minute:
1. Biene und Ressort: aus einem Stück geschmiedet oder aufgesetztes Blech?
2. Herkunft: Schmiede und "Made in France" genannt, oder schweigt die Verpackung?
3. Übergänge: mit dem Fingernagel über Backen und Platinen fahren, alles plan?
4. Klinge: sitzt mittig, öffnet satt, schließt ohne Anschlagen?
5. Preis: sechs Messer zum Preis von einem? Dann wissen Sie, was Sie kaufen.
Unser Shop entstand aus der Leidenschaft zu diesen wunderschönen Laguiole-Messern, deren Tradition weit weitreichender ist, als viele vermuten. Wir stehen im engen, freundschaftlichen Kontakt mit nahezu allen bekannten Schmieden und arbeiten gemeinsam an der Erhaltung dieser Tradition - am Überleben selbst der kleinsten Manufakturen.
Wir sind Mitgründer und aktives Mitglied der A.I.P.C.L., unterstützt von den wichtigsten Schmieden wie Laguiole en Aubrac, Arbalete G. David, Honore Durand, Le Fidele, Claude Dozorme und Philippe Voissiere.
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