Grasbaum
Der australische Grasbaum liefert eines der spektakulärsten Griffmaterialien überhaupt: ein leuchtendes Mosaik aus goldbraunen Blattansätzen - gewachsen mit einer Langsamkeit, die schwer zu begreifen ist.
Herkunft & Charakter
Xanthorrhoea, der Grasbaum, kommt ausschließlich in Australien und Tasmanien vor. Sein Stamm besteht nicht aus Holz im gewöhnlichen Sinn, sondern aus tausenden dicht gepackter, durch Harz verkitteter Blattbasen. Im Querschnitt ergeben sie ein einzigartiges, honigfarben leuchtendes Muster - kein Griff gleicht dem anderen. Für den dauerhaften Einsatz am Messer wird das Material stabilisiert.
Kurz-Fakten auf einen Blick
- Kommt nur in Australien und Tasmanien vor
- Wächst maximal etwa zwei bis drei Zentimeter im Jahr
- Alte Exemplare werden auf mehrere hundert, bis zu rund 600 Jahre geschätzt
- Stamm aus verharzten Blattbasen, nicht aus echtem Holz
- Warme Honig- und Bernsteintöne
- Botanisch gar kein Baum
Zwei Zentimeter im Jahr
Der Grasbaum gehört zu den langsamsten Gewächsen der Welt: In der Natur wurden Wachstumsraten von maximal etwa drei Zentimetern pro Jahr gemessen, häufig sind es nur zwei. Ein Stamm von einem Meter Höhe hat damit gut und gerne ein halbes Jahrhundert hinter sich, und die ältesten Exemplare werden auf mehrere hundert Jahre geschätzt - Schätzungen reichen bis etwa 600 Jahre.
Kurios ist dabei: Trotz seines Namens ist der Grasbaum überhaupt kein Baum. Er ist ein Einkeimblättriger und damit botanisch näher mit Lilien und Gräsern verwandt als mit einer Eiche. Sein wissenschaftlicher Name Xanthorrhoea bedeutet übersetzt "gelber Fluss" und spielt auf genau das Harz an, das den Stamm zusammenhält.
Die Pflanze, die Feuer braucht
Grasbäume sind nicht nur feuertolerant - manche Arten benötigen Feuer geradezu. Der verharzte Stamm schützt das Innere vor der Hitze eines Buschbrandes, während die Flammen die Konkurrenz ringsum beseitigen. Bei einigen Arten wirkt das Feuer sogar als Auslöser, damit die Pflanze überhaupt einen Blütenstand bildet. Dieser Blütenstand ist dann ein Schauspiel für sich: eine meterhohe Kerze, die während der mehrwöchigen Blütezeit mehrere hundert bis tausend Einzelblüten trägt.
Ein Werkstoff der Ureinwohner
Das gelbliche Gummiharz des Grasbaums war für die Aborigines ein unschätzbarer Rohstoff. Erhitzt wurde es zum Klebstoff, mit dem Speerspitzen, Werkzeuge und Gefäße gefügt wurden; daneben diente es als Räucherwerk. Später fand dasselbe Harz in Europa Verwendung, unter anderem für Lacke und Siegellack.
So steht der Grasbaum für Ausdauer und stille Stärke - eine Pflanze, die Brände übersteht und aus dem Feuer neu erblüht. Ein Laguiole mit Grasbaumgriff trägt ein Stück ältester Naturgeschichte Australiens in sich: warm, lebendig und voller Charakter.
Pflegehinweis
Trocken abwischen, gelegentlich hauchdünn ölen - so leuchtet das Muster am schönsten. Wie alle handgefertigten Laguiole-Messer gehört auch dieses Modell niemals in die Spülmaschine.
2 👍
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