
Laguiole-Messer richtig pflegen
Warum Pflege bei einem Laguiole mehr ist als Sauberkeit
Ein Messer beginnt sein Leben im Stahlwerk, wo das Metall mit großer Hitze aus Millionen Jahre altem Gestein herausgelöst wird. Noch in flüssiger Form entscheidet sich sein Charakter, dann durchläuft es viele Arbeitsschritte und viele Hände, bis es fertig vor Ihnen liegt.
Sein wahres Leben aber beginnt erst danach. Wer sein Messer benutzt, verbindet es mit Erinnerungen, und aus einem Gegenstand wird ein Begleiter. Manche schaffen es über Generationen, vom Vater zum Sohn. Genau deshalb pflegt man ein Laguiole: nicht damit es sauber ist, sondern damit es bleibt.
Das Wichtigste in einer Minute
- Niemals in die Spülmaschine, unter keinen Umständen
- Nach dem Gebrauch von Hand abspülen und sofort trocken reiben
- Nie feucht einklappen und nie feucht weglegen
- Den Griff regelmäßig mit Balsam behandeln, besonders bei Holz
- Einen Tropfen Öl ins Gelenk, wenn das Messer schwergängig wird
Warum die Spülmaschine das Ende bedeuten kann, haben wir ausführlich beschrieben: Laguiole in der Spülmaschine?
Die Klinge
Die meisten Laguiole tragen rostträgen Stahl, meist Sandvik aus Schweden oder den französischen T30. Rostträge heißt nicht rostfrei: Bleibt Feuchtigkeit auf der Klinge stehen, besonders zusammen mit Salz, Zitrone oder Essig, können Flecken entstehen. Abspülen, abtrocknen, fertig.
Bei Damast gilt dasselbe, nur aufmerksamer. Die Musterung entsteht durch verschiedene Stahllagen, die unterschiedlich reagieren, und gerade das macht ihren Reiz aus. Mehr dazu auf unserer Seite Laguiole und Damast.
Zum Schärfen genügt ein feiner Schleifstein oder ein Lederriemen zum Abziehen. Wichtiger als das Werkzeug ist der gleichbleibende Winkel. Wer unsicher ist, schickt sein Messer lieber ein, als es einmal falsch zu schleifen.
Der Griff, je nach Material
Holz braucht die meiste Aufmerksamkeit. Es arbeitet, nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab. Ohne Pflege trocknet es aus, wird stumpf und kann im schlimmsten Fall reißen. Ein Balsam schließt die Poren und holt die Maserung zurück.
Horn, Knochen und Zahn sind gewachsene Materialien und mögen weder Hitze noch trockene Heizungsluft. Ein sparsam aufgetragener Balsam hält sie geschmeidig.
Stein, Metall und Kunstharz sind unempfindlich. Hier genügt ein feuchtes Tuch. Bei rekonstituiertem Stein und Kunstharz gilt allerdings: keine Lösungsmittel, kein Aceton, kein Nagellackentferner.
Welches Material Ihr Messer trägt und was es jeweils braucht, steht bei jedem einzelnen in unserer Übersicht der Griffmaterialien.
Was in einen guten Pflegebalsam gehört
Weil es lange nichts gab, was uns überzeugte, haben wir nach vielen Versuchsreihen einen eigenen Balsam für Laguiole-Griffe zusammengestellt. Er besteht aus naturreinen, pflegenden Ölen, nämlich Macadamianuss- und Kamelienöl, dazu ätherisches Zitronenöl für den Duft und ein Anteil Bienenwachs, der die Oberfläche versiegelt.
Die Anwendung dauert kaum länger als das Abtrocknen: dünn auftragen, etwa zehn Minuten einziehen lassen, dann mit einem weichen Tuch polieren. Danach ist der Balsam rückstandslos eingezogen, der Griff fühlt sich nicht fettig an, und die Maserung tritt deutlich hervor. Feuchtigkeit kommt nun nicht mehr in die Poren.
Wie oft? Bei einem Messer in täglichem Gebrauch etwa monatlich, bei einem Sammlerstück in der Vitrine ein- bis zweimal im Jahr. Und immer dann, wenn das Holz stumpf aussieht: Das ist sein Weg, um nach Pflege zu fragen.
Gelenk und Ressort
Ein Laguiole soll satt öffnen und mit einem klaren Ton schließen. Wird es hakelig, sitzt fast immer Schmutz im Gelenk. Spülen Sie es mit warmem Wasser aus, trocknen Sie es gründlich, und geben Sie dann einen einzigen Tropfen säurefreies Öl auf die Achse. Öffnen und schließen Sie es ein paar Mal, wischen Sie den Überschuss ab.
Was Sie nicht tun sollten: das Messer auseinanderbauen. Die Nieten sind vom Messermacher gesetzt und sitzen genau so fest, wie sie sitzen müssen. Wenn wirklich etwas klemmt, schicken Sie es uns lieber.
Aufbewahren
Am wohlsten fühlt sich ein Laguiole bei Zimmertemperatur und normaler Luftfeuchte. Meiden Sie Heizungsnähe, pralle Sonne und feuchte Keller. Ein Lederetui schützt unterwegs hervorragend, auf Dauer sollte das Messer darin aber nicht luftdicht eingeschlossen liegen, besonders nicht feucht.
Sammlerstücke, die lange ruhen, freuen sich über einen Blick alle paar Monate: Griff kurz prüfen, Klinge abwischen, bei Bedarf etwas Balsam. Das ist die ganze Kunst.
Unser Shop entstand aus der Leidenschaft zu diesen wunderschönen Laguiole-Messern. Wir stehen im engen, freundschaftlichen Kontakt mit nahezu allen bekannten Schmieden und arbeiten gemeinsam an der Erhaltung dieser Tradition.
Zurück zum Laguiole-Wissen