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Warum sind die Laguiole-Taschenmesser so beliebt?
Sammeln & Restaurieren

Warum sind die Laguiole-Taschenmesser so beliebt?

von Mr. Laguiole · 10.08.2026 · Sammeln & Restaurieren
Warum sind die Laguiole-Taschenmesser so beliebt?

Ein Laguiole ist ein Kunstwerk mit Schneidefunktion, und die Betonung liegt auf Kunstwerk. Warum Menschen genau in einem bestimmten Lebensabschnitt darauf stoßen, warum sie dann nicht mehr davon loskommen und weshalb ich sage, dass wir Freude verkaufen und das Messer kostenlos dazugeben.

Diese Frage bekomme ich seit Jahren gestellt, und zwar von Menschen, die selbst gerade dabei sind, die Antwort zu finden. Sie stehen im Laden, halten ein Messer in der Hand, drehen es im Licht und sagen dann irgendwann diesen einen Satz: Ich weiß auch nicht, warum, aber ich kann es nicht mehr weglegen.

Ich kenne dieses Gefühl. Ich hatte es selbst, vor über dreißig Jahren, und seitdem hat es mich nicht mehr losgelassen.

Ein Kunstwerk mit Schneidefunktion

Wenn ich ein Laguiole beschreiben soll, sage ich immer denselben Satz: Es ist ein Kunstwerk mit Schneidefunktion. Manche lachen darüber, bis sie eines in der Hand hatten. Danach lacht niemand mehr.

Die Betonung liegt auf Kunstwerk. Ein Taschenmesser, das nur schneiden soll, bekommen Sie im Baumarkt für zwölf Euro. Es tut, was es soll, und es ist vergessen, sobald es in der Schublade liegt. Ein Laguiole ist etwas anderes. Es wird nicht produziert, es wird gemacht. Von einem einzelnen Menschen, vom ersten bis zum letzten Handgriff.

Bei Laguiole en Aubrac zum Beispiel fertigt jeder Messermacher sein Messer vollständig allein. Er montiert nicht, er baut. Und wenn ihm ein Griffmaterial reißt, und das passiert häufiger, als Sie denken, fängt er von vorne an.

Stunden für ein paar Millimeter

Was viele nicht wissen: Ein guter Teil dieser Arbeit findet unter der Lupe statt, bei den aufwendigen Stücken sogar unter dem Mikroskop. Die Guillochage auf dem Rücken, also die feinen Kerben und Linien, wird freihändig mit dem Stichel gesetzt. Ohne Schablone. Ohne Maschine. Kerbe für Kerbe.

Bei einem voll durchgearbeiteten Rücken kommen dabei schnell mehrere Stunden zusammen. Und weil freihändig gearbeitet wird, fällt jedes Muster geringfügig anders aus. Zwei Messer derselben Edition sind sich ähnlich, gleich sind sie nie.

Dann die Biene. Sie sitzt als Verbreiterung am Ende der Rückenfeder, und der Messermacher nennt sie bis heute Fliege, auf Französisch la mouche. Sie wird aus dem vollen Metall herausgearbeitet, auf einer Fläche, die kaum größer ist als ein Fingernagel. Ein Fehlschnitt an dieser Stelle bedeutet, dass das ganze Ressort neu gemacht werden muss.

Früher war die Form der Biene die Unterschrift des Messermachers. Man konnte an ihr ablesen, aus welcher Werkstatt ein Messer stammte. Bei den Sammlerstücken ist das bis heute so.

Diese Silhouette

Und dann ist da die Form. Diese schlanke, geschwungene Linie, die seit 1829 im Grunde unverändert geblieben ist. Fast zweihundert Jahre, in denen sich alles verändert hat, nur diese Silhouette nicht.

Das ist kein Zufall. Wenn eine Form so lange überlebt, dann weil sie stimmt. Legen Sie ein Laguiole auf einen Tisch und schauen Sie es einfach an. Die Klinge, die sich zur Spitze hin verjüngt. Der Griff, der sich der Hand entgegenbiegt. Der Rücken, der in der Biene ausläuft. Da ist keine Linie zu viel.

Ich habe Kunden erlebt, die ein Messer gekauft haben, ohne es je zu benutzen. Es liegt bei ihnen auf dem Schreibtisch, und sie nehmen es dreimal am Tag in die Hand, drehen es und legen es wieder hin. Das ist kein Werkzeugkauf. Das ist etwas anderes.

Wir wollen von schönen Dingen umgeben sein

Der Mensch hat das Bedürfnis, sich mit Schönem zu umgeben. Nicht mit Teurem, das ist etwas völlig anderes. Mit Schönem. Mit Dingen, die jemand mit Können und mit Hingabe gemacht hat und denen man das ansieht.

Ein Gemälde an der Wand tut das. Ein handgefertigter Stuhl tut das. Und ein Laguiole tut es auch, mit dem Unterschied, dass Sie es in die Hosentasche stecken und mitnehmen können. Sie tragen ein kleines Kunstwerk bei sich, und niemand sieht es Ihnen an. Nur Sie wissen es. Das hat etwas.

Der Zeitpunkt, an dem man auf Laguiole trifft

Nach dreißig Jahren in diesem Geschäft sehe ich ein Muster, und es ist so deutlich, dass ich es hier einmal aufschreiben möchte.

Die meisten Menschen bauen in der ersten Lebenshälfte auf. Ein Zuhause. Ein Auto. Einen Beruf, in dem sie etwas geworden sind. Eine Familie. Das kostet Kraft, es kostet Jahre, und es füllt den Kopf vollständig aus. In dieser Zeit denkt niemand über handgefertigte Taschenmesser nach.

Und dann, meist irgendwo zwischen vierzig und fünfundvierzig, kippt etwas. Das Aufbauen ist im Wesentlichen geschafft. Was jetzt kommt, ist eine andere Zeit. Eine Zeit, in der man die schönen Seiten des Lebens genießen möchte, weil man weiß, dass man sie sich verdient hat.

Man fährt einmal in einen wirklich schönen Urlaub statt zweimal in einen mittelmäßigen. Man kauft sich eine hochwertige Armbanduhr, keine, die nur die Zeit anzeigt, sondern eine, über die man etwas erzählen kann. Man richtet die Wohnung mit Stücken ein, hinter denen ein Name steht. Man geht in ein Gourmet-Restaurant und nimmt sich vier Stunden Zeit für ein Essen, obwohl man in vierzig Minuten satt wäre.

Und genau an diesem Punkt trifft man auf Laguiole. Nicht früher. Es ist derselbe Gedanke, der hinter allem anderen steht: Ich möchte nicht mehr das Nächstbeste. Ich möchte das Richtige.

Männer und Klingen

Es gibt noch etwas, das ich beobachte und das ich hier offen ansprechen möchte, weil es zur Wahrheit gehört. Viele Männer haben eine Faszination für geschmiedeten Stahl. Für Klingen. Das ist Jahrtausende alt und sitzt tief, und man muss deswegen kein Jäger und kein Sammler alter Wehrtechnik sein.

Diese Faszination bringt sie irgendwann zu Messern. Und dort machen sie eine Entdeckung, mit der sie nicht gerechnet haben: Ein Taschenmesser kann sehr viel mehr sein als eine Klinge, die schneidet. Es kann Kunst sein.

Ich sehe diesen Moment regelmäßig. Jemand kommt wegen eines Gebrauchsmessers und geht mit etwas ganz anderem. Nicht weil ich ihn überredet hätte, sondern weil er in dem Augenblick begriffen hat, worum es hier eigentlich geht.

Wir verkaufen Freude

Viele kommen über meine Videos zu uns. Sie schauen sich eines an, dann noch eines, und irgendwann schreiben sie mir. Nicht selten steht in der ersten Nachricht: Ich wollte eigentlich nur kurz reinschauen.

Wir verkaufen keine Messer. Wir verkaufen Freude. Das Messer bekommen Sie kostenlos dazu.

Das ist kein Werbespruch, das ist mein Ernst. Was Sie bei uns kaufen, ist der Moment, in dem das Paket ankommt. Der Moment, in dem Sie es zum ersten Mal öffnen und den Widerstand der Feder spüren. Der Moment, in dem Sie es einem Freund in die Hand legen und sehen, wie sich sein Gesicht verändert.

Das Messer selbst ist der Träger dafür. Es hält sechzig Jahre und länger, es geht auf Ihre Kinder über, und wenn Sie es benutzen, wird es schöner statt schlechter. Aber das eigentliche Produkt ist die Freude daran.

Und dann packt es Sie

Jetzt kommt der Teil, bei dem ich eigentlich warnen müsste.

Denn beim ersten Messer bleibt es fast nie. Sie haben eines mit Wacholder, und dann sehen Sie ein Mammutstoßzahn und denken, das wäre auch schön. Sie haben eines in brosse und entdecken, wie anders dasselbe Modell in brillant wirkt. Sie kaufen ein Unikat, weil es das nur einmal gibt, und ab da haben Sie ein Problem, denn Unikate gibt es immer wieder neue.

Irgendwann liegt eine kleine Sammlung in der Schublade. Sie kennen die Schmieden mit Namen, Sie erkennen die Handschriften, Sie diskutieren mit anderen Sammlern über Guillochagen, und Ihre Familie schüttelt den Kopf.

Also sage ich es lieber gleich: Vorsicht, es kann süchtig machen.

Aber wenn ich ehrlich bin, ist es eine der schönsten Leidenschaften, die ich kenne. Sie schadet niemandem, sie hält ein Leben lang, und am Ende haben Sie nicht Dinge gesammelt, sondern Handwerkskunst aus einem kleinen Dorf im französischen Hochland, in dem seit fast zweihundert Jahren Menschen an Werkbänken sitzen und Messer machen.

Und ganz nebenbei haben Sie immer etwas dabei, mit dem sich hervorragend ein Apfel schneiden lässt.

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Justin Jernoiu - Mr. Laguiole
Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Justin Jernoiu (Mr. Laguiole) erstellt. Seit 1995 beschäftigt er sich mit original französischen Laguiole-Messern und betreibt die weltweit größte Spezialisierung auf handgefertigte Laguiole-Messer.

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