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Laguiole als Sammlerobjekt: Wertentwicklung und limitierte Editionen
Erfahrungsberichte

Laguiole als Sammlerobjekt: Wertentwicklung und limitierte Editionen

von Mr. Laguiole · 04.09.2026 · Erfahrungsberichte

Die meisten Laguiole-Fans beginnen zu sammeln, weil sie an einem Punkt angekommen sind, an dem sie alles Notwendige haben. Sie können sich nun leisten, was sie schön finden, und geben sich einer Leidenschaft hin, die mit Tradition zu tun hat und nicht mit Bedarf. So kommt jeder früher oder später zu einem wunderschönen Laguiole.

Und ab einer gewissen Größe der Sammlung stellt sich fast jedem dieselbe Frage: Gibt es eigentlich eine Wertentwicklung bei Laguiole-Messern? Und wenn ja, welche eignen sich dafür - reguläre Modelle, die aufwendigen Stücke oder eher Sondereditionen und Unikate?

Wir werden das häufig gefragt. Deshalb hier die ehrliche Antwort aus unserer Beobachtung, auch wenn sie nicht die ist, die man von einem Händler erwartet.

Es gibt keine Börse für Laguiole-Messer

Bei manchen Sammelgebieten gibt es geregelte Märkte, Auktionshäuser mit Spezialgebiet, veröffentlichte Zuschläge, Preisindizes. Für Laguiole-Taschenmesser existiert nichts davon.

Am nächsten kommt eBay. Dort werden neue und gebrauchte Laguiole gleichzeitig angeboten und damit tatsächlich gehandelt. Wir beobachten das seit sehr langer Zeit, und dazu kommen die Kundenanfragen aus mehreren Jahrzehnten - Menschen, die verkaufen wollen, Menschen, die ein bestimmtes Stück suchen, Erben, die nicht wissen, was sie da vor sich haben.

Aus all dem lässt sich ein Bild zeichnen. Nur ist es kein gleichmäßiges.

Was wir sehen: kein Muster

Es gibt Zeiten, in denen gebrauchte Laguiole-Messer gut verkauft werden, und andere Zeiten, in denen es sehr schwer ist, dieselben Messer an den Mann zu bringen. Nicht bessere oder schlechtere Messer - dieselben.

Es gibt auch wirklich alte Laguiole-Taschenmesser, die spektakuläre Ergebnisse erzielen. Das liest sich dann wie ein Beleg für eine Wertsteigerung. Nach unserer Beobachtung liegt es aber eher daran, dass zufällig zur gleichen Zeit die passenden Kenner unterwegs waren. Zwei Menschen, die dasselbe Stück erkennen und beide wollen, treiben den Preis. Dieselbe Auktion drei Monate später kann anders ausgehen.

Neu und gebraucht verhalten sich verblüffend ähnlich

Das Interessanteste an dieser Beobachtung ist, dass sie für neue Messer genauso gilt.

Manchmal nehmen wir vier oder fünf neue Unikate in den Shop auf, aufwendige Stücke. Zwei oder drei davon sind schnell verkauft. Das vierte bleibt vier bis sechs Monate liegen, bevor es dann doch seinen Käufer findet. Es ist nicht schlechter. Es ist nicht weniger aufwendig gearbeitet. Es liegt einfach.

Bei gebrauchten Messern ist es dasselbe: Viele gehen schnell, andere liegen wie Blei im Regal - oder, genauer gesagt, im Keller des Besitzers.

Ein Muster ließ sich darin nicht erkennen. Es hängt nach unserer Erfahrung sehr stark davon ab, wer gerade auf der anderen Seite des Tisches sitzt. Wer in diesem Moment unterwegs ist und Interesse an genau Ihrem Messer hat.

Und die limitierten Editionen?

Weil das die häufigste Anschlussfrage ist: Eine Limitierung auf dreißig oder hundert Stück macht ein Messer nachweislich seltener. Bei einem Unikat gibt es überhaupt nur eines.

Nur wird Seltenheit erst dann zu Wert, wenn jemand sie gerade sucht. Und das ist genau die Unbekannte, die sich nicht planen lässt. Wir sehen limitierte Stücke, die sofort weg sind, und wir sehen limitierte Stücke, die liegen - in derselben Auflage, aus derselben Werkstatt.

Was eine Limitierung dagegen zuverlässig leistet, ist etwas anderes: Sie macht das Stück unwiederholbar. Bei einem Unikat aus Mammutkruste oder gestockter Aubrac-Buche gibt die Natur das Bild vor, nicht die Werkstatt. Ein ähnliches Messer lässt sich bauen, wenn wieder passendes Material vorliegt und der Messermacher Lust darauf hat. Dasselbe nie.

Das ist eine echte Eigenschaft. Sie ist nur keine finanzielle.

Unser Fazit, so unbequem es ist

Eine positive Wertentwicklung im herkömmlichen Sinn konnten wir nicht erkennen. Wer ein Laguiole kauft, um es in zehn Jahren mit Gewinn weiterzugeben, kauft auf eine Hoffnung hin, für die es in unserer Beobachtung keine belastbare Grundlage gibt.

Wir könnten Ihnen etwas anderes erzählen. Es wäre schöner zu lesen und würde uns vermutlich Messer verkaufen. Aber Sie würden es irgendwann merken, und dann hätten wir Sie als Kunden verloren und obendrein recht gehabt mit dem falschen Rat.

Der Wert, der tatsächlich wächst

Und trotzdem steigert ein Laguiole seinen Wert enorm - nur eben im Herzen des Sammlers.

Mit jedem Messer ist ein Stück Erinnerung verbunden. Ein Stück Ihres Lebens, ein Stück Leidenschaft, ein Teil Ihres Herzbluts. Es verbindet alle, die sich mit diesem Messer beschäftigt haben: den Messermacher, der die Biene mit der Feile aus dem Metall geholt hat, den Händler, der es in die Hand genommen und weitergereicht hat, und schließlich Sie.
Bei einem alten Messer ist es eine Reise durch die Zeit. Vom ersten Besitzer bis in die Gegenwart, bis in die Sekunde, in der Sie es aufklappen und dieses Stück Kunst in der Hand halten und bewundern.

Was kann da schon mithalten?

Was das für Ihre Sammlung heißt

Wenn Sie uns fragen, worauf Sie beim Sammeln achten sollen, ist unsere Antwort deshalb nicht: auf Wiederverkaufswert.

Sondern: Kaufen Sie das Messer, das Ihnen gefällt, wenn Sie es sehen. Nehmen Sie es in die Hand, bevor Sie sich entscheiden, wenn es irgend geht. Fragen Sie nach, wer es gemacht hat und woraus. Und geben Sie kein Geld für ein Stück aus, das Sie nur wegen einer Zahl auf einem Etikett wollen.

Eine Sammlung, die so entstanden ist, hält jeder Marktlage stand. Denn ihr Wert hing nie daran.

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Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Justin Jernoiu (Mr. Laguiole) erstellt. Seit 2004 beschäftigt er sich mit original französischen Laguiole-Messern und betreibt die weltweit größte Spezialisierung auf handgefertigte Laguiole-Messer.

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