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Welches Griffmaterial aus Holz ist für ein Laguiole besonders robust?
Griffmaterialien

Welches Griffmaterial aus Holz ist für ein Laguiole besonders robust?

von Mr. Laguiole · 18.08.2026 · Griffmaterialien

Bei uns stehen fast einhundert verschiedene Griffmaterialien zur Auswahl, und eine Frage höre ich häufiger als jede andere: Welches davon ist das robusteste? Wer so fragt, erwartet meist eine kurze Antwort. Etwa: Nehmen Sie Holz XY, das ist das härteste.

Diese Antwort kann ich nicht geben. Nicht, weil ich es nicht wüsste, sondern weil sie in die Irre führt.

Die naheliegende Antwort wäre einfach

Man könnte in die Härtetabellen schauen, und das Ergebnis stünde in einer Minute fest. Die Werte sind ja bekannt, und wir haben sie auf unseren Materialseiten zusammengetragen:

  • Amourette, das Schlangenholz aus Südamerika, erreicht rund 3.800 lbf Janka-Härte und gehört damit zu den härtesten Hölzern der Welt.
  • Olivenholz liegt bei etwa 2.700 lbf und damit deutlich über Eiche.
  • Ahorn kommt auf rund 1.450 lbf, Buche auf 1.300 bis 1.450 lbf.
  • Birke bringt es je nach Sorte auf 830 bis 1.260 lbf.
  • Ebenholz ist mit 1,05 Kilogramm je Kubikdezimeter so dicht, dass es im Wasser untergeht, und Wüsteneisenholz ebenso.

Damit hätten wir einen Sieger. Und trotzdem wäre die Auskunft für Sie als Käufer wenig wert. Aus zwei Gründen.

Erstens: Die Tabelle gilt für rohes Holz

Die meisten unserer Griffhölzer sind stabilisiert. Dabei wird zuerst unter Vakuum die Luft aus den Poren gezogen, anschließend presst man einen Spezialkunststoff durch das Material. Nach dem Aushärten ist der Griff etwas völlig anderes als das Brett, aus dem er entstand: härter, dichter, unempfindlich gegen Feuchtigkeit, Blut, Schweiß und Lebensmittelsäfte.

Eine stabilisierte Birke ist damit nicht mehr das weiche Holz aus der Tabelle. Ein stabilisiertes Pappelholz, von Natur aus eines der weichsten überhaupt, wird zu einem Griff, den Sie jahrelang in der Hosentasche tragen können. Die Rangliste der Härtewerte beschreibt also einen Zustand, in dem sich das Material an Ihrem Messer gar nicht mehr befindet.

Zweitens, und viel wichtiger: Wofür benutzen Sie das Messer?

Ein Laguiole ist kein Buschmesser. Es wird praktisch nie dort eingesetzt, wo Härte wirklich zählt: nicht im Wald mit erdigen Händen, nicht bei Dauerregen, nicht zum Abschneiden von Ästen, nicht als Werkzeug, das über Stunden gegen Holz und Stein arbeitet. Genau diese Belastungen sind es, für die Härtewerte gemacht sind.

Ein Laguiole ist der Adel unter den Messern. Es ist ein Kunstwerk mit Schneidefunktion, und es kommt dort zum Einsatz, wo es fein zugeht: in der Küche, am gedeckten Tisch, beim Picknick. Käse, Wurst, Brot, ein Steak, ein Apfel. Das sind keine harten Beanspruchungen, das sind feine.

Für alles, was ein Laguiole tatsächlich tut, spielt die Härte des Griffholzes eine völlig untergeordnete Rolle.

Und dann ist da noch der Besitzer

Wer ein Laguiole besitzt, geht damit anders um als mit einem gewöhnlichen Taschenmesser. Sorgfältiger, vorsichtiger, pfleglicher. Es wird nicht in die Kiste geworfen, nicht mit Schlüsseln in dieselbe Tasche gesteckt, nicht im Regen liegen gelassen. Es fällt Ihnen auch nicht aus der Hand, weil Sie beim Schneiden von Käse eben nicht in derselben Verfassung sind wie beim Holzhacken.

Das ist keine Nebensache. Ein Griff hält nicht deshalb ein Leben lang, weil er der härteste ist, sondern weil sein Besitzer ihn behandelt wie etwas Wertvolles.

Was ich Ihnen stattdessen rate

Kaufen Sie ein Laguiole mit einem Griff, der Ihnen zusagt. Der Sie anspringt. Der Sie fasziniert, wenn Sie ihn ansehen. Und nicht einen, der in einer Tabelle weit oben steht.

Das schönste Messer ist nicht das härteste, sondern das, nach dem Sie immer wieder greifen.

Wenn Sie trotzdem Wert auf ein besonders widerstandsfähiges Material legen, weil Sie Ihr Messer wirklich jeden Tag einstecken, dann nennen Sie mir das einfach. Dann kommen stabilisierte Hölzer infrage, oder Eisenholz, oder ein Griff aus Carbon. Für alle anderen gilt: Schauen Sie sich in Ruhe unsere Griffmaterialien an und nehmen Sie das, was Ihnen gefällt. Sie werden dieses Messer über Jahrzehnte in der Hand halten, und dabei zählt, was Sie beim Anschauen empfinden, nicht eine Zahl aus einer Prüfmaschine.

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Justin Jernoiu - Mr. Laguiole
Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Justin Jernoiu (Mr. Laguiole) erstellt. Seit 1995 beschäftigt er sich mit original französischen Laguiole-Messern und betreibt die weltweit größte Spezialisierung auf handgefertigte Laguiole-Messer.

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