
Messer, wie war es früher?
Ein Taschenmesser gehörte zur persönlichen Ausstattung in meiner Kinder- und Jugendzeit genauso dazu, wie heutzutage das Handy!
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Ein Messer in der Hosentasche – und die Welt war in Ordnung
Manche Zuschriften liest man einmal quer. Und manche dreimal, weil sie einen mitten ins Herz treffen. Diese hier gehört zur zweiten Sorte.
Wer in den 70ern und 80ern aufgewachsen ist, weiß sofort, wovon die Rede ist. Das Taschenmesser war einfach dabei. Neben dem Kaugummi, in der Hosentasche. Man hat Äste geschnitzt, Schnüre gekappt, Äpfel geviertelt – und die meiste Zeit brauchte man es gar nicht. Man hatte es eben. Und genau das war der Punkt.
Ist etwas passiert? Nein. Nichts. Ein Werkzeug wurde als Werkzeug benutzt. Punkt.
Der Absatz über die Kinder wohlhabender Eltern mit ihren 27-Funktionen-Schweizern hat mich laut lachen lassen, weil er so wahr ist. Es ging nie darum, ob man die Lupe jemals gebraucht hat. Es ging ums Gefühl, für alles gerüstet zu sein. Und der Korkenzieher, den ein Zehnjähriger nun wirklich nicht braucht? Das Sahnehäubchen.
Und dann sieht man sein erstes Laguiole – und alles kippt. Denn das Laguiole kann nichts von alledem. Eine Klinge. Das war's. Keine Funktionsliste, keine Ausrede. Es kann genau eine Sache, und die besser als fast alles andere. Was übrig bleibt, wenn man alles Überflüssige weglässt, ist Form, Linie, Handwerk. Die Biene, die kein Ingenieur, sondern ein Schmied gesetzt hat. „Schockverliebt" – ein besseres Wort gibt es dafür nicht.
Dass es beim ersten Pistaziengriff nicht bleibt, weiß hier jeder. Irgendwann fragt man sich, ob man noch sammelt oder schon lebt. Eine der schönsten Fragen überhaupt.
Am meisten freut mich aber ein anderer Satz: nicht immer einer Meinung, aber immer fair und respektvoll. Genau so soll es sein. Ich will keine Ja-Sager um mich herum, sondern Leute, die widersprechen und genau hinschauen. Das macht diese Community aus.
Und zum Schluss der wichtigste Satz: Lasst euch dieses schöne Sammelhobby nicht durch dumme Sprüche Unwissender miesmachen. Dem ist nichts hinzuzufügen. Wer ein Laguiole in der Hand hält, hält französisches Handwerk und ein Stück Kulturgeschichte. Kein Statement, keine Provokation. Ein schönes, ehrliches, von Hand gemachtes Messer.
Danke für diese Zeilen. Sie sind mehr wert als jede Werbeanzeige.
Mr. Laguiole 🐝
Moment mal, wieso nur Jungs?
Meine Mutter ist ohne ein kleines Taschenmesserchen und diversem anderen Zeugs nicht aus dem Haus gegangen, ebenso Oma und Tanten. Damals hatten die Frauen noch die wichtigsten Sachen dabei, um eine neue Zivilisation zu Gründen. Ein kleines Messer, meist irgendein Werbegeschenk, war zumindest in unserer Familie immer mit an der Frau. Das waren dann oft so winzig elegante Multitools, mit denen man sich auch die Fingernägel säubern und feilen konnte. Die Klinge kam dann meistens zum Einsatz, wenn mal ein Faden abgeschnitten werden musste.
In den 80ern hatte das Messertragen allerdings schon stark nachgelassen. 1983, in der Lehre in meinem Jahrgang mit ca. 30 Azubis, gab es außer mir nur noch 2 weitere "Messerträger", die grundsätzlich immer ein Taschenmesser einstecken hatten. Und das erstaunlicherweise auch noch im Handwerk.
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