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Thema: Halterungssystem WORKSHARP
Eröffnet von ★ Mr. Laguiole am 31.03.2023 16:28
Inhalt: Halterungen sind oft eine große Hilfe, um über längere Zeit einen konstanten Winkel einhalten zu können.
Zu: Halterungssystem WORKSHARP

Hallo Laguiole-Fans,

Ich möchte hier meine Erfahrungen in Sachen Messer schärfen teilen.

Meine stetig wachsende Sammlung allerlei Messer für hauptsächlich Bushcraft-, Outdoor- und EDC-Nutzung (every day carry, Alltagsmesser) braucht natürlich Pflege und ab und an auch wieder ein bisschen mehr Schärfe.

Anfänglich habe ich mich mit verschiedenen Wassersteinen unterschiedlichster Herkunft und Körnung versucht. Doch Zeitaufwand und Resultat standen in keinem guten Verhältnis, abgesehen davon, dass ich mit dem Resultat überhaupt nie zufrieden war. Natürlich nehme ich das Ergebnis auf meine Kappe, habe ich doch keine Lust mir über viel Übung ein Muskelgedächtnis anzutrainieren, dass die Resultate da hin kommen, wo ich sie haben will. Fazit: Eine effizientere, einfachere, befriedigendere und bezahlbare Lösung musste her!

Nach ausgiebiger Konsultation von unzähligen YouTube-Videos und Recherche im Internet habe ich den(damals) gerade erst auf dem Markt erschienenen WORKSHARP PRECISION ADJUST der Firma WORKSHARP entschieden.

Der Einführungspreis von damals rund 60€ und die Vorschusslorbeeren im Netz haben mich überzeugt.

Und so sieht das Teil aus:

Wenn man das Gerät aus er Verpackung nimmt, sind Standfuss und Einstell-/Haltevorrichtung getrennt, die dann einmalig zusammengesteckt werden. Der Standfuss ist gummiert und bietet so gute Rutschfestigkeit. Während des Gebrauchs hält man dann sowieso die Schärfvorrichtung mit einer Hand, was aber dank des soliden Standes mit minimem Krauftaufwand mühelos gelingt.

Am oberen Ende befindet sich das Einstellrad, mit dem man den gewünschten Schärfewinkel durch drehen einstellt. Die Spindel und der Aufnahmebereich des "Tribrasive" genannten Schärfers laufen angenehm satt und 100% spielfrei. So wird der eingestellte Winkel zuverlässig gehalten.

In der Mitte (zwischen den zwei weissen Pfeilen) befindet sich die angesprochene Aufnahme des Schleifarmes. Dieser wird magnetisch gehalten. Der Magnet ist stark genug, dass der Schleifarm im Gebrauch nicht von alleine herausfällt, aber nicht sooo stark, und deshalb gelingt das Herausnehmen des Tribrasive leicht.

Tribrasive ist ein Kunstwort, dass aus "Tri" (für "drei") und "abrasive" (für "Schlaifmittel") zusammengesetzt ist. Folgerichtig befinden sich zwei Diamantschleifplatten mit den Körnungen 320 und 600 und eine Keramik-Honing-Platte mit einer Feinheit von ungefähr 1500 auf der Halterung, die je nach Bedarf gedreht werden können und zuverlässig alle 120° einrasten. Zusätzlich befinden sich am oberen und unteren Ende z kleine Gummiringe, mit denen man den Schärfeweg begrenzen kann. So ist sichergestellt, dass man mit der Schleifplatte nicht von der Klinge abrutscht.

Kommen wir zum Messerhalter.

Dieser besitzt einen gummierten Schutz, der die Klinge umfasst. So entstehen keine ungewollten Kratzer beim Festklemmen des Messers. Dieses geschieht mit dem Klemmrad und ist sehr robust. Die Halterung selbst ist für mittelgrosse Messer ausgelegt und klemmt das Messer stark und einwandfrei. Ich selbst habe Klingengrössen bzw. Klingendicken zwischen einem Laguiole und einem 14cm Survivalmesser mit 4.2mm dickem Rücken problemlos festklemmen können.

 

Der Messerhalter wird ebenfalls magnetisch In der Schärfvorrichtung gehalten. Dies geschieht genauso zuverlässig und wackelfrei wie beim Tribrasive.

Dies ist die magnetische Aufnahme des Messerhalters. Sie ist auch drehbar, so dass das Messer mit einem Druck auf den Knopf auf der Rückseite des Schärfgerätes ganz einfach gedreht werden kann.

Einfacher geht's nun wirklich nicht.

Genug der grauen Theorie, jetzt wird geschärft. Der 15°-Winkel ist eingestellt, das Messer eingespannt und die Tribrasive-Schleifplatten sind in Position. Das sieht dann so aus:

Sobald dann die obere und untere Endposition mit den Stopringen eingestellt ist, hann durch hoch und runter bei gleichzeitig seitlicher Bewegung des Tribrasive die Klinge geschärft werden. Ich zähle jeweils die Bewegungen, damit ich beide Seiten gleichmässig bearbeite. Dabei gibt das Eigengewicht des Tribrasive die Stärke des auszuübenden Drucks vor. So stelle ich sicher, dass die Klinge über die ganze Länge gleichmässig geschliffen wird.

Wie man erkennen kann, sind die 15°das Limit dieses Schärfers. Mit etwas Übung und Feingefühl bekommt man allerdings in sehr kurzer Zeit perfekte, gleichmässige Resultate.

Je nach Zustand der Klinge beginne ich nicht mit der 320er Körnung, sondern direkt mit der 600er. Bei meinen Laguioles reicht es mir, wenn ich direkt mit dem Keramik-Honer die Klinge anziehe. Denn ich lasse meine Laguiols niemals so stumpf werden, dass ich mit den groben Körnungen beginnen muss. Macht man das regelmässig, reicht das für sehr gute Alltagsschärfe bei weitem aus.

Mächte man für seine Messer jedoch das letzte Quäntchen Schärfe herauskitzeln, so sollte das Messer das Messer an einem mit Mikro-Schleifpaste eingeriebenen Leder gestroppt werden. So erhält man haarspaltende Skalpllschärfe, welche ich aber für nicht alltagstauglich empfinde. Aber jeder, wie er will. Vielleicht mache ich darüber einmal so einen separaten Erfahrungsbericht wie diesen hier.

Ich hoffe, dass die Vorstellung dieser einfachen, schnell zu erlernenden Schärfmethode dem einen oder anderen eine Hilfe ist.

Mein persönliches Fazit:

+ Preis
+ Leistung
+ Einfachheit
+ schnelle, konstante, Resultate
+ Handhabung
+ solide, trotz mehrheitlich Kunststoff
+ variabler Einstellbereich von 15° bis 30°
+ mittlerweile viel Zubehör erhältlich
- nicht für kleine oder ganz grosse Messer geeignet
- Winkel unterhalb 15° technisch nicht möglich
- ein paar Körnungsstufen mehr wären ganz praktisch

Alles in allem ist der Worksharp Precision Adjust ein rundum gelungenes Schärfewerkzeug, das mir in kurzer Zeit sehr gute, wiederholbare Resultate für all meine Messer ermöglicht. Mit etwas Feingefühl lassen sich meine Alltags-Laguiole ganz einfach schärfen und nur darum geht's mir. Vielen Dank für Dein Interesse und liebe Grüsse aus dem hohen Norden.

- Bruno -

Zu: Halterungssystem WORKSHARP

Hallo zusammen!

Ein sehr schöner Beitrag zum Work Sharp Schleifsystem!

Ich benutze selbst seit ein paar Wochen die Precision Adjust Elite Version. Vorteil von dieser sind drei zusätzliche Körnungen. Man hat dann 220, 320, 400, 600 und 800, eine Keramikplatte und den Lederstreichriemen.

Ob man diese benötigt, muss jeder selbst entscheiden. Um ein noch feineres Ergebnis zu erreichen aber nicht verkehrt.

Das System macht es einem relativ einfach, den gleichen Winkel über die gesamte Klinge zu erreichen. Jedoch sollte man versuchen mit wenig Druck zu arbeiten. Wie in Brunos Text beschrieben, reicht das Eigengewicht des Tribrasives.

Was ich mich allerdings frage ist, auf was bezieht sich die Gradangabe. Schleift man ein Messer mit 4 cm Klingenhöhe und eines mit 1,5 cm, dann hat man durch den anderen Abstand einen anderen Winkel. Oder habe ich da einen Denkfehler?

Mir hat es geholfen, wenn ich den schon vorhandenen Winkel beibehalten wollte, die Schneidfase mit einem Edding zu schwärzen und dann die Einstellung des Winkels zu ändern, bis die Farbe gleichmäßig abgeschliffen wird. Dann den Winkel am besten für jedes Messer notieren.

Ein sehr schönes System, wenn es zügig gehen soll. Allerdings kommt es für mich nicht an das Gefühl heran, wenn man mit Wassersteinen und Diamantleder einen spiegelnden Anschliff erreicht hat 😊

Da muss jeder das für sich richtige finden.

Grüße

Thomas

Zu: Halterungssystem WORKSHARP

Vielen Dank für deine Ergänzungen, Thomas.

Angespornt durch deine Frage, ob der Winkel sich ändert bei unterschiedlichen Klingenbreiten, habe ich das mal getestet. 
Zum einen habe ich ein Laguiole eingespannt und als Vergleich eins meiner Outdoormesser mit gut doopelter Klingenbreite.
Ich habe bei 15°, 20° und 30° gemessen.
Generell lässt sich sagen, dass Geometrie und Mathematik Recht haben und der Winkel sich ändert. ;-) Allerdings ist in meinem Fall der Unterschied ein halbes Grad bei 15° Schleifwinkel. Für mich ist das nicht relevant, weil ich sowieso vor dem Schärfen jedes Messers nachmesse.
Als passionierter Holzwerker hab ich auch dafür das passende Werkzeug. ;-)


Für Interessierte: Diesen vielseitigen Winkelmesser gibt's für kleines Geld und ist sehr genau.
Ich habe ihn absichtlich nicht in meiner Virstellung gezeigt, nicht, dass jemand denkt, ohne den funktioniert der Worksharp nicht. ;-)
Zusatzinfo: Ich habe die Winkelskala am Worksharp mit einem eingespannten Laguiole nachgemessen und sie ist auf ein paar Zehntelgrade genau.
Wiederholbarkeit ist also gegeben, auch wenn man nicht digital nachmisst. 
Grüsse in meinen Süden.

Zu: Halterungssystem WORKSHARP
Tommy W schrieb am 09.04.2023 21:31:

Hallo zusammen!

Ein sehr schöner Beitrag zum Work Sharp Schleifsystem!

Ich benutze selbst seit ein paar Wochen die Precision Adjust Elite Version. Vorteil von dieser sind drei zusätzliche Körnungen. Man hat dann 220, 320, 400, 600 und 800, eine Keramikplatte und den Lederstreichriemen.

Ob man diese benötigt, muss jeder selbst entscheiden. Um ein noch feineres Ergebnis zu erreichen aber nicht verkehrt.

Das System macht es einem relativ einfach, den gleichen Winkel über die gesamte Klinge zu erreichen. Jedoch sollte man versuchen mit wenig Druck zu arbeiten. Wie in Brunos Text beschrieben, reicht das Eigengewicht des Tribrasives.

Was ich mich allerdings frage ist, auf was bezieht sich die Gradangabe. Schleift man ein Messer mit 4 cm Klingenhöhe und eines mit 1,5 cm, dann hat man durch den anderen Abstand einen anderen Winkel. Oder habe ich da einen Denkfehler?

Mir hat es geholfen, wenn ich den schon vorhandenen Winkel beibehalten wollte, die Schneidfase mit einem Edding zu schwärzen und dann die Einstellung des Winkels zu ändern, bis die Farbe gleichmäßig abgeschliffen wird. Dann den Winkel am besten für jedes Messer notieren.

Ein sehr schönes System, wenn es zügig gehen soll. Allerdings kommt es für mich nicht an das Gefühl heran, wenn man mit Wassersteinen und Diamantleder einen spiegelnden Anschliff erreicht hat 😊

Da muss jeder das für sich richtige finden.

Grüße

Thomas

Hi zusammen. 
Ich nutze auch das Precision Adjust mit dem Ergänzungen (also wie das Elite) und habe mir in Asien weitere Polier-Steine besorgt.
Wenn ich möchte bekomme ich damit so ziemlich jeden Stahl auf Spiegelpolitur.
Sogar Maxamet. 

Klingen werden damit derart scharf, dass ich nicht wüsste, warum ich noch etwas anderes bräuchte.

Für Reisen ins Ferienhaus habe ich den Spyderco Sharpmaker dabei. Dafür ist der super. 

Für Gartenmesser und Werkzeuge habe ich einen kompakten Bandschleifer. 

Damit kriege ich wirklich so ziemlich alles scharf.

Liebe Grüße 
Carsten 

Zu: Halterungssystem WORKSHARP



Hallo zusammen,

auch ich bin nun Besitzer des WORKSHARP PRECISION ADJUST Schärfsystem und gebe mal meine Erfahrungen zum Besten. Revontuli hat das System bereits ausführlich vorgestellt, so dass ich auf die Produktvorstellung nicht weiter eingehen brauch.
Ich habe das WORKSHARP PRECISION ADJUST Schärfsystem für 58€ bei dem Messerhersteller Böker erworben. Zusätzlich habe ich noch das Erweiterungskit bestellt, mit zusätzlichen Schleiferweiterungen und einer Aufbewahrungstasche. Mittlerweile wird von Worksharp noch eine WORKSHARP Profesional  Version angeboten, die allerdings das 5-6  kostet gegenüber den WORKSHARP PRECISION ADJUST. Diese stellt  die  verbesserte und weiterentwickelte Version vom WORKSHARP PRECISION ADJUST dar. Zusätzlich habe ich noch in eine Stütze in Schwarz,  einen Winkelmesser und einen 10,2 cm Steinhalter investiert.


Meines Erachtens ist der Winkelmesser Pflicht für das WORKSHARP PRECISION ADJUST Schärfsystem, da die vorhandene Winkelskala nur am WORKSHARP PRECISION ADJUST Schärfsystem nur eine grobe Orientierung ist. 
Die Stütze dient dazu, dass beim Schärfen mit den Steinen die Halterung fixiert bleibt.  
Den zusätzlichen Steinhalter nutze ich um unterschiedliches Schleifpapierkörnungen  auf einem Holzbrettchen verwenden zu können.
Speziell um die Schneidphase sauber polieren zu können. Etwas für das Auge.😏

Nun zu meinen Erfahrungen mit dem Schärfen eines Laguiole en Aubrac mit Damastklinge und einem Ebenholzgriff.

Da ich Annahm das die Laguiole-Messer werkseitig mit einem Fasenschliff von 20' Grad ausgeliefert werden, musste ich den Irrtum eingestehen. Mr. Laguiole wies mich daraufhin, dass die französischen Messerhersteller es nicht so standardisiert mit dem Schleifwinkel genau nehmen. Eher nach Erfahrung und Gefühl. So kann es sein das man Klingen mit einem Winkel von 14'  bekommt, oder irgendwie Klingen zwischen 14' und 21'. Also doch schon eine beachtliche Spanne.
Wenn man seine Klinge selber schärfen möchte, muss man also erst einmal herausfinden, welchen Winkel die Schneidfase hat. 
Um diese am WORKSHARP PRECISION ADJUST Schärfsystem zu bestimmen, sollte man das Laguiole soweit vorn in der Messerklinge anbringen um die Winkel <20'  zu ermitteln.

Die Klemme sollte aber noch in der Lage sein , die schmale Klinge fest zu arreitieren. Hier ist ersichtlich, dass nicht mehr viel Platz zwischen dem Schleifstein und Klemmenhalterung ist. Beim WORKSHARP Profesional hat man das Problem für schmale Klingen erkannt und eine Extraarretierung vorgesehen.
Um den Schärfewinkel zu bestimmen, habe ich mittig in der Höhe der Arretierung mit einem Permanentmaker auf der Klinge einen 2-3cm langen Strich gezogen.(Leider etwas über die Schneidphase übermalt) Es handelt sich um eine 200x fache Vergrößwerung.

Wie man sehen kann, sind auf Schneidphase doch größere Riefen zu sehen, aber eine schöne saubere Schneidkante ohne Einkerbungen.



Mittels Schleifen mit dem Keramikschleifstein kann nun der Schleifwinkel ermittelt werden. 

Hier das Ergebnis bei 19,3' Grad.


Im unteren Teil wurde nichts abgetragen, Also Schleifwinkel erhöht auf 19,65' 

Auch das war nicht ausreichend. Es stellte sich heraus, dass 20,3' nahezu Perfekt ist.



Nun habe ich die 800er Diamantenkörnung verwendet und an beiden Seiten 5xmal pro Seite geschärft. 

Danach habe ich den Schleifhalter für Schleifpapier mit Holz und  der 1200 Körnung 12x mal pro Seite verwendet.

Die übermalte Makierung ist noch zu sehen. Dann folgte die Bearbeitung mit der 1500 Schleifpapierkörnung 15xmal pro Seite.

Ich hatte die Klinge hier nicht abgewischt und man erkennt die feinen magnetisch aufgeladenen Schleifpartikel an der Klingenkante.
Danach die Prozedur mit dem 3000er Schleifpapier 20xmal pro Seite.


Finish und die Rückseite dazu.
Die Riefen auf der Schneidphase sind fast vollständig verschwunden.
So kann man sich schon fast spiegeln.


 Zum Schneidtest mit Kopierpapier musste ich feststellen, dass ich mit dem Sandvikstahl  14C28 schärfere und saubere Schnitte bekomme als mit dem Damast, Damast ist aber ein Augenfänger😊

Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden mit dem WORKSHARP PRECISION ADJUST Schärfsystem.
Ich hoffe es hat euch etwas gebracht.
VG Ralf