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12 Griff-Formen bei Laguiole-Taschenmesser: Interview mit Dr. Schepe:

06.10.2021 55:30 Minuten 901 Aufrufe

Worum es geht

Laguiole-Taschenmesser faszinieren nicht nur durch ihre handwerkliche Qualität und ihre edlen Materialien, sondern auch durch die große Vielfalt ihrer Griff-Formen. Doch was bedeuten die unterschiedlichen Formen eigentlich? Woher stammen ihre oft außergewöhnlichen Namen, und welche Geschichten verbergen sich dahinter?

In diesem ausführlichen und informativen Interview nimmt Dr. Schepe Sie mit auf eine spannende Reise durch die Welt der traditionellen und modernen Laguiole-Griffformen. Anhand sorgfältig recherchierter Hintergründe erklärt er die Entstehung, die geschichtlichen Ursprünge und die Besonderheiten von insgesamt zwölf verschiedenen Griffdesigns, die über Jahrzehnte und teilweise sogar Jahrhunderte hinweg die Entwicklung des Laguiole-Messers geprägt haben.

Erfahren Sie, was sich hinter klangvollen Bezeichnungen wie Aile de Cygne, Licorne, Patte de Bélière oder Queue de Scorpion verbirgt und welche kulturellen, regionalen oder handwerklichen Einflüsse zu ihrer Entstehung geführt haben. Dabei werden nicht nur technische Unterschiede erläutert, sondern auch interessante Anekdoten und historische Begebenheiten vorgestellt, die selbst erfahrene Laguiole-Liebhaber überraschen dürften.

Darüber hinaus widmet sich das Gespräch einer Frage, die viele Messerfreunde beschäftigt: Warum verwenden so viele renommierte Laguiole-Schmieden den schwedischen Sandvik-Stahl 12C27 beziehungsweise dessen Weiterentwicklungen? Dr. Schepe erläutert die Eigenschaften dieses Stahls und erklärt, weshalb er sich seit Jahrzehnten als bevorzugtes Klingenmaterial für hochwertige Laguiole-Taschenmesser etabliert hat.

Dieses Video richtet sich an Sammler, Messerliebhaber und alle, die mehr über die traditionsreiche Welt der Laguiole-Messer erfahren möchten. Freuen Sie sich auf fundiertes Wissen, spannende Geschichten und faszinierende Einblicke in die Formenvielfalt eines der berühmtesten Taschenmesser Frankreichs.

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Was wann im Video passiert

  1. 00:00 Begrüßung
  2. 01:45 Griff: Aile de Cygne
  3. 05:36 Griff: Aile de Pigeon
  4. 09:22 Griff: Bottine
  5. 11:20 Warum benutzen die Schmieden 12C28-Stahl?
  6. 17:42 Griff: Ecaille
  7. 22:09 Griff: Grelot
  8. 24:25 Griff: Licorne
  9. 27:47 Griff: Ora Ito
  10. 32:43 Griff: Patte de Belliere
  11. 35:24 Griff: Queue de Scorpion
  12. 37:26 Griff: St. Jacques
  13. 40:20 Griff: Tire Bouchon
  14. 45:47 Griff: Yssangeaux
  15. 53:29 Verabschiedung

Was Mr. Laguiole im Video sagt

0:13 Hi, hier ist Mr. Laguiole und heute machen wir ein Interview mit Dr. Rüdiger Scheppe. Wir haben schon bereits mehrere Interviews mit ihm gemacht. Hier oben könnt ihr entsprechend die Videos sehen, wo er sich ausführlich vorgestellt hat, ein bisschen über sich erzählt hat. Und machen wir es heute kurz. Wir überspringen seine Vorstellung und kommen direkt zu dem Thema, was wir heute behandeln wollen. Es geht nämlich heute um das Thema Grifformen bei den Laguiole-Taschenmesser. Da haben wir auch gemeinsam mit Herrn Dr. Scheppe, der eine ganze Menge Fotosau gemacht hat von seiner umfangreichen Sammlung.

0:49 Und wir haben insgesamt zwölf verschiedene Griffarten und die schauen wir uns gleich jetzt an mit schönen Bildern. Und Herr Dr. Scheppe erzählt natürlich wieder aus seinem großen Vorrat an Wissen, was er sich über viele Jahrzehnte angeeignet hat, erzählte jeweils zu den einzelnen Griffen.

1:10 Aber beginnen wir erst mal mit dem Dr. Scheppe. Hallo Herr Dr. Scheppe, willkommen in unserem Interview.

1:18 Wir kennen uns schon lange und deswegen grüßen wir uns. Deswegen sage ich demnächst natürlich Rüdiger. Hallo, willkommen in unserem Interview. Ja, hallo, willkommen. Ich grüße dich und ich grüße dich, Justine. Vielen Dank für die Einladung zu den Griffen. Ja, das ist mir immer eine Ehre, ein bisschen von deinem Wissen hier für unsere Zuschauer anzuzappen. Dann kommen wir direkt sofort zu den ersten der zwölf Griffen. Schauen wir uns das jetzt mal an. Ja, das ist das El de Sine. Das El de Sine ist eine ganz besondere Form. Die Übersetzung heißt der Schwanenflügel.

1:57 Und diese Ausgabe, die du hier siehst, die ist aus dem Hause Voisier. Und Voisier hat hier ganz wunderbar natürlich auch das, was er ganz besonders gut kann. Eben einmal die Schnitzkunst als Skulptieren auch bezeichnet hier von dem Griff gemacht, hier in Warzenschwein ausgeführt. Und du hast gerade auch auf dem Zwischenbild das wunderbare Filework, die Geochage, hinten auf dem Ressort gesehen. Und natürlich auch ganz filigran gearbeitet. Ebenso vorne auf der Mouche dieses Bienenmotiv auch. Ja, dieses El de Sine ist ein Motiv, was auch schon recht früh zu finden ist bei Laguiollmessern.

2:49 Ich habe es auch nicht nur bei Philippe Bouysier gesehen, ich habe es auch bei Avalesian David gesehen.

2:58 Das ist so ganz typisch für die Zeit, so, ja, würden wir sagen 30er, 40er Jahre auch, wo wir so ein bisschen auch die Begründung haben, so im Art Deco zu der Zeit taucht auch langsam diese Form auf. Am Anfang auch ganz in der Tradition auch von der Jahrhundertwende 19. bis 20. Jahrhundert, wo dieses Skulptieren jetzt in der Zeit des Jugendstils, das ist die begleitende Kunstepoche dabei, natürlich aufkommt und die Messermacher jetzt in Laguiole und auch in Thiers um diese Zeit, natürlich auch mit Elfenbein, natürlich sehr ansprechend auch für die etwas finanzkräftigere Kundschaft, diese zusätzliche Dimension, dass man die Griffe schnitzen kann und zwar in der Tradition eben der Prunkmesser aus dem 17. und 18. Jahrhundert schon, wo man sehr kunstvolle Messer, natürlich ganz andere Formen jetzt hier, die erstmal gar nichts natürlich mit dem Laguiole, das gab es ja noch gar nicht zu tun haben.

4:11 Besonders schön finde ich auch hier dieses Punzieren der einzelnen Nieten, also er ist einer der echten wenigen Küssler, die das wirklich auch machen, das finde ich wunderschön, dass die zwei Nieten rechts und in der Mitte so schön punziert sind. Ja, das gibt auf jeden Fall dem Messer also noch eine ganz wunderbare, edle Haptik auf, wenn du das siehst, auch so geschwungen jetzt hier schön, du siehst, dass in dem Warzenschweingriff jetzt halt auch so braune Stellen drin sind, ja, das Horn, das Bein jetzt, Warzenschweinbein ist natürlich jetzt auch nicht ganz homogen weiß und Bulser bemüht sich auch immer darum, diese Materialien an die Form auch genau so im Detail auszuwählen und das ist was ganz Besonderes hier natürlich und das kann ich dir nur ans Herz legen, dieses Motiv und das gefällt mir sehr gut.

5:13 Ja, muss ich sagen, mir auch, also von denen, die noch kommen werden, gehört das hier meiner Meinung nach zu einer der schönsten, dann, also zumindest, was man auch heute noch gut, ja, ausstellen kann, weil gleich werden wir ein paar Formen sehen, die finde ich sehr traditionell, die heute auch, ne, brach, die nach ein bisschen seine Liebhaber finden muss. Aber kommst du zu dem nächsten, ne? Das nächste ist das El de Pigeon, das siehst du hier jetzt, das ist schon ein bisschen etwas älter, das ist so aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und das ist eine Form, die jetzt hier, das Messer ist an sich so 9,5 Zentimeter, 9,4, 9,5 Zentimeter lang, das ist klein, das ist geschnitzt in Knochen, Rinderknochen hierbei, aus der Schmiede von Jules Calmel und auch hier siehst du, dass hier, ja, in der Mitte diese, diese beiden Flügel da zu sehen sind.

6:22 Es gibt unter den Sammlern, gibt es jetzt natürlich auch so, so Puristen, dafür sind, ist man in Frankreich ja auch sehr bekannt, als Sammler dort betrachtet man die Dinge sehr genau, das wird auch häufiger mal als El de Papillon bezeichnet, als Schmetterlingsflügel, weil das richtige El de Pigeon, das ist so ein bisschen breiter in der Form, wie diese beiden Flügel in der Mitte gehalten und du siehst aber auch hier das ganz Besondere dabei, dieses ist ein zentrales Motiv auf dem Griff und ganz hinten hast du natürlich auch hier wieder so geschwungen, so kleine Kugeln, die so jetzt als Abschluss von dem Messer zu sehen sind, da hinten, das ist auch eine kleine Beschädigung, also muss man sehen, im Laufe der Zeit wird dieser Knochen natürlich auch spröde und da wo jetzt genietet worden ist, in der Schmiede Jules Calmel seiner Zeit, ist das natürlich dann irgendwann auch mal Materialermüdung und bricht dann halt einfach ab, ist ein bisschen schade, aber mich hat es jetzt nicht gestört.

7:34 Du siehst jetzt auch hier insgesamt mal die komplette Form, die schon auch in den 50er, 40er Jahren und auch bis zu Beginn jetzt der Zeitenwende 19. und 20. Jahrhundert, genau zu der Zeit, wo der Jugendstil hier in Deutschland, in Frankreich, in der Bildkunstarchitektur und allen Bereichen des Lebens so um sich greift, eine besondere Kunstform halt auch dabei.

8:07 Sehr interessant. Das ist ja auch das Besondere dabei, dass diese Formen, dieser Formenreichtum, ist natürlich jetzt bei den Laguils, hat dann auch so mit dem Jugendstil einfach Einzug erhalten, in dem Zuge, weil man eben halt auch erkannt hat, dieses Messerformen ist jetzt nicht einfach nur ein Gebrauchsgegenstand, sondern die Menschen interessieren sich dafür. Im ganzen Aveyron wurde dieses Bauernmesser ja schon vorher in den Vorformen des Laguils auch gerne gekauft, aber jetzt ist natürlich auch das Interesse mit Materialien auch gekommen.

8:48 Und dann natürlich zusätzlich sehr attraktiv jetzt auch die Griffform kommt dazu. Und alle Bevölkerungsschichten interessieren sich auch. Und auch überregional kommt dieses Messer hier sehr, sehr schnell in Mode, wird auf der Weltausstellung 1900 auch gezeigt. Und da gibt es Preise drumherum und so weiter. Das hast du alles auch schon mal in Videos, wo wir auch schon mal zu anderen Details Stellung genommen haben, hast du das gehört. Und in dem Zusammenhang kann ich dir mal ein weiteres Motiv mal vorstellen, das Boutin.

9:23 Das Boutin ist ja jetzt auch hier in einer Form zu sehen, die jetzt mit Mitren gezeigt wird. Boutin ist sowas wie der Frauenschuh. Und du siehst jetzt am unteren Ende, dass man jetzt hier tatsächlich so ein Stiefelchen da als Mitre da jetzt auf einmal vorfindet.

9:47 Diese Mitre, die gab es am Anfang auch nicht. Man findet das auch in geschnitzter Form, also wo du jetzt praktisch den vollen Griff hast, ohne diese Abdeckkappen am Ende, an den Enden von dem Griff jeweils. Das ist ja der Begriff Mitre dafür. Und das war etwas auch, was jetzt mit etwas kleineren Laguils, die kleiner sind wie die Standardgröße, so 12 Zentimeter, eigentlich für die Damen besonders gedacht war.

10:25 Jetzt dieses Marquis, das ist jetzt hier in Thiers hergestellt. Und da siehst du jetzt auch schon den 12C27-Stahl. Der kommt so Mitte der 90er Jahre auf. Und du siehst jetzt hier aber auch, dass dieses Motiv sich, sag ich mal so, von der Jahrhundertwende bis in die 90er Jahre, 2000er Jahre, 2006 ist dieses Unternehmen dann verschwunden, ist in die Insolvenz gegangen, aus finanziellen Gründen. Und da siehst du natürlich jetzt auch ein ganz etabliertes Motiv. Und ab und zu findest du es auch heute, dass es heute wieder aufgelegt wird, wobei aber auch heute mehr so im Vordergrund natürlich auch die Materialien stehen.

11:16 Und das leitet uns dann über... Das finde ich dann sehr interessant, nochmal ganz kurz in der Frage. Und zwar, die benutzen heute die ganzen Laguils-Schmieden, die benutzen heute hauptsächlich diese 12C27, 14C28. Und ich habe immer wieder Fragen von den Kunden, die Fragen, warum benutzen die auch nicht mal andere Stallarten? Ich habe versucht, den ein oder anderen Schmieden dazu zu erfragen. Ich werde auch später Interviews haben mit Clotho Sorm und mit anderen Schmieden. Aber so richtig beantworten konnte mir das keiner.

11:48 Weißt du zufällig aus der Geschichte heraus, wie das gekommen ist, dass sie sich alle, also wirklich alle Schmieden, bis auf Vorstellargiol, aber sonst alle anderen benutzen dieses 12C27. So eine große Auswahl an Stahlarten, gerade für Messer, die durchaus auch genauso gut sind. Warum nehmen die Schmieden nur dieser Stahl? Weißt du das?

12:12 Ja, das ist relativ einfach auch zu beantworten. Wir haben mit diesem 12C27 einen Sandwegstahl. Und der resultiert aus Schweden natürlich auch. Und man hat jetzt, als man die großen Schmieden jetzt sozusagen in der zweiten Epoche des Laguils, hat wieder aufleben lassen, wo jetzt die Pioniere jetzt da sind, wie die Forche de Laguiole oder Antoine Monteiro zum Beispiel, ist auch ein Schmied, der jetzt sich mit du Barry in Laguiole niedergelassen hat. Oder eben halt auch Honor Duran zur selben Zeit, wo die Vatergeneration von den jetzigen Besitzern sich da umgetan hat.

13:06 Oder auch Henri Croce zum Beispiel, Mitte der 60er Jahre, auch ein altes, ein orts eingesessenes Geschäft. Die haben auch fertigen lassen, fremdfertigen lassen zum Teil. Und natürlich auch, wir haben Laguiole en Aubrac. Und dort der Besitzer von Laguiole en Aubrac. Christian Herr Waller. Ja, genau, der Herr Waller. Der ist ein sehr, sehr umtriebiger Unternehmer. Und der macht jetzt nicht nur in Messern sozusagen. Er ist ein sehr großer, gütiger Financier halt auch. Er ist im Bereich Gastronomie auch sehr interessiert.

13:50 Und der hat sich sehr früh schon Gedanken gemacht darum, wo kann ich einen leistungsfähigen Stahl sozusagen herkriegen. Und der jetzt halt auch nicht super teuer ist, weil er eben nicht, sag ich mal so, von Hand angefertigt werden muss, sondern halt auch sich maschinell halt auch bearbeiten lässt, stanzen lässt. Was weiß ich, auch in der Temperatur, also in der Härtung sozusagen auch sehr nochmal bewährt. Und da hat er das diskutiert halt auch mit den anderen Herstellern. Und die sind jetzt darauf gekommen, dass man das mal mit diesem 12C27 auch durchaus für die Laguiole Messer einfach auch mal ausprobiert mit den auslaufenden 90er Jahren.

14:39 Und so hat das dann Einzug gehalten halt auch. Und die Kollegen in Thiers, die waren ja sowieso immer auch mit von der Partie seit der Zeit, wo das aufgelebt ist, weil sie ganz einfach auch den Fuhrpark anfangs, du weißt sicherlich, dass die Vorsteller, die haben halt altes Equipment aufgekauft dort, und aus Thiers sozusagen. Und da hat sich das dann einfach etabliert. Und so haben die Größeren von diesen heute klassischen Schmieden in dieser zweiten Laguiole Epoche sich einheitlich darauf verständigt.

15:15 Und das ist auch ein ganz guter Stahl. Und sie haben dann natürlich Sandvik als Firma das weiterentwickelt. Die haben dann ein bisschen andere Regierungen gemacht und ein bisschen teurer dann, wie halt so die Preisentwicklung dann ist, wenn man was Neues halt hat. Und das hat man auch ausprobiert. Dann kommt dann halt irgendwann mal der 14C28 Stahl. In der Nähe liegt dann halt auch der Rasiermesser Stahl zum Beispiel, der 13C26, wo man jetzt Rasiergeräte halt mit macht. Das hat dann Thiers A. dann für sich entdeckt, diesen Stahl.

15:52 Und das war ungefähr so alles eine Preiskategorie. Und ein bisschen teurer dann diese neueren Stähle, weil man hat dann auch so ein bisschen die Weiterentwicklung natürlich sich aus Schweden gerne bezahlen lassen. Aber das heißt also, dass zum einen war der Preis also maßgeblich dafür verantwortlich und zum zweiten hat Laguiole-en Aubrac diese Neuentdeckung, wie man so möchte, vorangetrieben sozusagen. Genau, ganz genau. Und da hat sich Laguiole-en Aubrac große Verdienste mit erworben, auch unter den ganzen Messermachern Frankreichs. Du weißt, dass Frankreich eine der führenden Nationen ist weltweit, die Messerdesigns heute super im Griff haben.

16:37 Und dort haben wir eine richtige Kultur auch, wo das richtig hoch gehalten wird. Und das Laguiole ist da einfach der Klassiker sozusagen, wo jetzt auch die Größen der Messermacher, die in der Szene dann bekannt sind oder sowas halt auch immer wieder das Laguiole, darauf zurückgreifen wegen der Formenvielfalt, der großen Tradition, die wir hier haben. Und einfach durch diese Weltausstellung 1900 da begonnen und bis in die heutige Zeit halt auch durch alle Täler sozusagen im Verkauf und der Popularität mal, wenn das mal zeitweise weg war, also von den 50er Jahren bis so 70er Jahre, das war so ein bisschen weniger gut verkauft, würden wir heute sagen.

17:22 Aber das ist so, dass auch das Übergreifen über das Laguiole heute der akzeptierte Stahl ist sozusagen, mit dem man erst mal beginnt, wenn man ein neues Messerdesign einfach vorstellt. Das ist der Standard. Also das wird man dann immer da finden. Aber zum Thema Formen kommen wir wieder zu unserem ursprünglichen Thema. Kommen wir zu der nächsten Form. Ja, das ist ein Ekalier. Du wirst hier sehen, Ekalier heißt so freier übersetzt, die Schildkröte mit dem Schuppenpanzer. Ja, das kann man da sehen, richtig.

17:59 Du siehst hier die Schuppen sozusagen am Ende des Messers dort und du siehst hier aber auch vorne, das ist ja die Plane Edition jetzt hier, auch, dass da auch eine Schuppung gehalten ist. Dieses Messer ist jetzt aus der Schmiede von David de Villiers und er ist dafür bekannt in Frankreich in den Messerschmieden, dass er halt auch sehr als Autodidakt sich historisch für diese klassischen Designs so erwärmt. Und der hat das jetzt hier hergestellt, auch wunderbar hat er das hier ausgearbeitet, ganz wunderbar.

18:45 Der ist in derselben Klasse zu finden wie jetzt ein Virgilio Munoz, was dieses Nachformen von diesen klassischen Formen ist. Auch das hier ist eines der Motive, die wir schon im 19. Jahrhundert am Ausgang finden und ja, auch hier wunderbar ausgeführt. Also ein bisschen Ähnlichkeiten mit dem Skorpionschwanz, das wir gleich noch sehen werden. Der Skorpionschwanz, wenn wir jetzt den David fragen würden, wie heißt das Messer, dann würde er natürlich sagen, ja, das ist ein Skorpionschwanz, ist doch ganz klar.

19:22 Ja, also, weil, sag ich mal so, diese Übergänge jetzt, was sind Schuppen und wo ist das jetzt mehr hinten gerundet, wo ist das jetzt mehr so, ja, die eine oder die andere Form, das verschwindet so ein bisschen historisch halt auch. Und es ist halt auch die Freiheit des Künstlers, des Messermacherkünstlers einfach. Aber wie kommen diese Namen, wer hat die Namen vergeben und die sind jetzt wirklich über alle Schmieden hinweg immer gleich? Wer hat das bestimmt oder erfunden?

19:54 Wer diese Namen gegeben hat, das waren am Anfang natürlich in den Schmieden dann selber halt, wenn man die ganz kleinen Schmieden nimmt, also so die ganz klassischen Alten der ersten Laguiole-Generation, so wie Calmel oder Salet oder Thibault oder Molin oder Gliese, die jetzt auch Fremd haben anfertigen lassen, die haben so ein Prototypen hergestellt und das haben sie dann den Schmieden in Thiers, die dann maschinell, also in Anführungsstrichen maschinell mit viel Hand dabei, also die haben halt ihre Gesenkschmieden dann gehabt mit diesen Pilons, diese, ja, auch diese Fallhämmermethoden dann entwickelt.

20:39 Hat so ein bisschen Muskelkraft gespart natürlich, ne? Ja, ja, die haben dann halt Muskelkraft gespart und dann war das besser halt am Anfang noch mit Wasserkraft, hinterher auch elektrisch dann so. Und ja, das war halt einfach dann so aus dem Bauch heraus mal schnell gefunden und dann hat das irgendjemand, früher wurden dann so bei den großen Schmieden in Thiers so Designbücher geführt, man kennt das hier in Deutschland auch, ja, von der einen oder anderen kleinen Schmiede aus Solingen, die haben dann so Musterbücher und da haben sie dann das Ding einfach so, was weiß ich, Skorionsschwanz genannt, so, da kommt das halt her, so üblicherweise.

21:16 Und ob das jetzt, also das war am Anfang Jägerlatein sozusagen, Anglerlatein sozusagen aus dem Nähkästchen geplaudert und das war gar nicht so der Verkaufsname, unter dem das auftaucht. Und das ist bis heute so geblieben. Ah, da wurde das einfach übernommen praktisch von den anderen aus diesen Büchern. Ja, genau. Und da haben wir in der zweiten Generation, jetzt hat man das dann einfach so auch als Verkaufsprodukt dann diesen Namen auch Krägen nochmal aufgenommen. Man war sich jetzt nicht sicher, am Anfang, wenn man jetzt 2005 bis 2010 so ein Ding jetzt am Markt angeboten hat, okay, oje, oje, wer kauft denn sowas?

21:56 Das sind ja ganz, naja, wir starten mal einen Versuchsballon. Aber ich denke, es sind noch viel, viel mehr Formen überhaupt entstanden, als wir, nicht nur als wir heute präsentieren, sondern als wir auch überhaupt auf den Markt kommen. Aber kommen wir zu dem Nächsten. Ja, das Nächste wäre ein Grillo. Das Grillo, ja, das sieht schon eher so aus wie ein Skorpionsschwanz und tatsächlich gibt es auch Sammler. Also die Sammler haben das dann übernommen häufig, sollte man auch wissen.

22:25 Und die haben dann auch Bücher geschrieben, die ein oder anderen in den 90er Jahren bis in die heutige Zeit immer wieder. Und da tauchen dann diese Messer auf. Das sind also auch sehr häufig von Sammlern, von größeren Berufssammlern auch geprägte Begriffe, die die Messermacher vielleicht so im Detail gar nicht so sehr verwenden. Das schlägt sich dann als Begriff auch beim Verkauf ein. Und hier siehst du das Grillo. Grillo heißt eigentlich Glöckchen oder Schelle. Und du siehst, dass das am Ende sozusagen da wie so eine Rassel dann scheinbar so aussieht.

23:03 Dieses Messer ist auch ein Einzelstück. Das hat Dominique Biondi das angefertigt mit Kamelknochen. Der Komponente ist jetzt etwas größer, sag ich mal so, mit 13 Zentimetern.

23:22 Und er hat dabei eben halt auch vor Augen gehabt, das ist eine komplett genietete Konstruktion jetzt halt auch. Man sieht das immer, dass das jetzt nicht geschraubt ist, weil auf den Griffen jetzt halt auch die Köpfe der Nieten zu sehen sind. Ist natürlich jetzt nicht so kunstvoll, wie das jetzt am Anfang der Philipp Boiserda hatte, der das nochmal punzt und das nochmal besonders edel dann ausgestaltet. Dieses hier ist jetzt ein einfacher gehaltenes Messer. Ich fand das sehr schön halt auch.

23:52 Und das zeigt jetzt halt auch, dass man sehr flexibel halt auch immer wieder die Stilelemente gerade an den Griffenden dann auswählt. Was gerade bei diesem Ekalier, diesem Schildkrötenartigen Schwanz jetzt hinten gezeigt war, das findest du jetzt hier einfach abgerundet auch. Das Grillo wird auch häufig als Skorpionsschwanz auch bezeichnet. Köde Skorpion, da kommen wir später dann auch nochmal zu. Und als nächstes würdest du das Likorn sehen. Das Likorn, das ist ein ganz, ganz ausgearbeitetes Motiv halt auch. Das ist ein Messer, was jetzt in dieser Kombination hier auch wieder von Philipp Boiser zu sehen ist.

24:43 Das ist das Einhorn. Das Einhorn ist natürlich auch ein mythologisches Motiv auch. Und du siehst hier, dass einmal hier so ein gewundener Griff zu sehen ist. Hinten, das ist jetzt hier in Giraffenknochen, ist das jetzt hier gefärbt in gelb und in rot ausgeführt ist. Und vorne hast du eine Mitre drauf. Und die Mitre, die hat jetzt diese, also die soll ein Einhorn symbolisieren dabei. Das ist aus Warzenschwein gefertigt und du siehst hier auch ganz wunderbar, wie das hier zusammengefügt worden ist.

25:25 Also auch mehrteilige Messer vom Griff, die bleiben nicht dabei stehen, dass du einfach zwei unterschiedliche Materialien zusammenfügst, sondern in der höchsten Ausprägung dieser Messermacherkunst siehst du jetzt hier halt auch, dass das zusätzlich nochmal geformt wird. Und du hast also praktisch hier ein Bimartier, ein Messer aus zwei Materialien, was jetzt zusätzlich aber auch noch diese wunderbare Griffform und nur so im Ansatz, diese Laguiole-Form so geschwungen erkennbar ist. Und weil das so ist, hat Philippe Bouhizère, das ist ein Alleinstellungsmerkmal von ihm, das ist ein Laguiole-Messer, was er hauptsächlich in dieser Form so geprägt hat.

26:14 Und das kommt so bei ihm, der macht das ja auch schon sehr lange, in den 90er Jahren.

26:22 Und das ist ungefähr so aus 2005 bis 2010, wo er angefangen hat, auf der Cotelia-Ausstellung in Thiers, seine Motive mal der breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Ich muss sagen, das hat mich auch noch bei keiner anderen Schmiede gesehen, wirklich außergewöhnlich. Ja, das ist sein Motiv, sage ich mal so. Und der macht da, also ganz, ganz wunderbar hat er das auch ausgearbeitet und kultiviert das bis heute. Und ich finde das alles, als Sammler finde ich das eines seiner schönsten Motive überhaupt.

26:55 Also auch jetzt nicht so überbordend, wo jetzt wirklich nochmal jedes Design-Element so wunderbar, dann so nochmal natürlich sehr, sehr prägend, nochmal besonders ausgewählt ist oder so. Aber diese Zusammenstellung, ich finde die einfach genial, wie er das gemacht hat. Ja, und dafür ist der Rücken entsprechend ohne Guillaume-Charge, also das ist wirklich komplett. Aber das ist auch so wahnsinnig viel Arbeit, da muss man nicht... Ja, ja, der hat ja eine besondere Technik, wie er das aufbaut und so weiter.

27:24 Das hatten wir aber auch schon mal, glaube ich, ein bisschen angedeutet in einem unserer anderen Videos, wie das geht. Und ich glaube, dass Justine auch dazu schon mal in einem anderen Video auch besonders nochmal was gesagt hat, wie das genau geht bei Philipp. Genau.

27:46 So, dann kommen wir als nächstes zum Ora-Ito. Ja, das Ora-Ito. Du wirst dich jetzt natürlich etwas fragen. Okay, das sieht ja jetzt nicht so... Also so besonders aus. Aber wenn du hier mal ein bisschen guckst, das hat ja einen rechteckigen Querschnitt. Und oben die Moosh. Die Moosh ist jetzt als Rechteck gearbeitet. Der Designer Ora-Ito ist ein französischer Designer, geboren 1977 in Marseille. Und heißt eigentlich Ito Morabito. Und ist ein Neffe von Yves Bayard. Yves Bayard ist ein Star-Architekt, Star-Designer in Frankreich, weltbekannt für seine Entwürfe.

28:46 Und ja, Ora-Ito, sein Neffe, der hat aber auch mit Gucci, mit Vuitton und anderen Perrier immer auch besondere Formen als Designer ausgearbeitet. Und hat sich damit auch einen Namen gemacht. Und der hat so um 2000 herum, hat er mit der Vorsteller Yoll zwei modernere Designs aufgelegt. Und eins davon ist das Furtivo. Das Furtivo hat so eine Kastenform, hat aber auch diesen rechteckigen Querschnitt und oben diese rechteckige Moosh drauf. Und dann etwas später, 2011, hat er dann zusammen mit Orland Denant, auch durch Vermittlung bei der Forche de La Yoll, dieses mit dem ursprünglicheren, geschwungeneren, La Yoll-artigen Griff hergestellt.

29:39 Und das ist natürlich auch etwas Besonderes, weil das ist auch so eine Sache aus der heutigen Zeit von diesen Designern, dieser Futurismus. Der ist ja auch so entstanden vielleicht späte 60er, 70er Jahre, so als Kunstrichtung. Und ist auch weltweit immer wieder prägend gewesen, vor allen Dingen in der Architektur. Und du siehst, dass dieser Formenreichtum jetzt halt auch in so einer Kulturnation wie Frankreich natürlich auch miniaturisiert wird. Bis auf das La Yoll-Messer sozusagen. Und da findest du bei La Yoll in Robrac findest du ja noch ganz andere Sachen, wo jetzt, ja, Fluchzeugteile verarbeitet werden.

30:23 Oder aus Porsche oder aus Brücke. Auf eine Brücke, das finde ich sehr interessant. Das finde ich sehr schön bei La Yoll. Das ist ja nicht nur eine, wie heißt es zu sagen, eine festgelegte Form ist, wie bei vielen anderen Taschenmesser, sondern hier sind die Leute oder die Messermacher auch sehr gewillt, ein bisschen zu spielen und ein bisschen zu experimentieren. Und das trifft man wirklich außerhalb von La Yoll eher selten. Selbst die Ehermesser zum Beispiel, das sind ja ganz strenge Vorgaben, wie es zu sein hat.

30:50 Oder auch bei anderen großen Herstellern, die immer bei deren Form immer ewig bleiben, die experimentieren nicht so viel. Und das finde ich bei La Yoll einmal diese ganz, ganz alten, traditionellen Formen sehr schön. Einmal diese ganz neuen Formen dann eben von La Yoll-Lograff. Der macht auch Griffe zum Beispiel aus Joghurtbecher oder eben halt Teile von Porsche oder von Golden Gate Bridge aus Amerika. Der kauft ja Teile davon und macht besser, die auch dann entsprechendes Design haben. Also nicht nur einfach ein La Yoll mit einem Stück aus Golden Gate Bridge, sondern das ganze Design ist anders.

31:23 Das finde ich einfach sehr schön, dass die bereit sind, so ein bisschen zu spielen, zu experimentieren, ein bisschen das Ganze attraktiver zu machen, was dann den Sammlern natürlich auch zugute kommt. Denn dann reicht ja nicht nur ein La Yoll-Messer praktisch so in der Kollektion zu haben, sondern man möchte auch möglichst viele unterschiedliche Kombinationen haben. Das finde ich sehr, sehr, sehr schön bei diesem Thema La Yoll an sich.

31:45 Ja, unbedingt.

31:48 Und die erste Generation jetzt von Messermachern, die waren am Anfang nicht, also die waren auch schon sehr mutig für ihre Zeit. Also die haben natürlich auch Formen aufgelegt, aber die waren ein bisschen unauffälliger gearbeitet, weil der Druck doch auch aus der Öffentlichkeit war natürlich auch so in die Jahrhundertwende, 19. bis 20. Jahrhundert. Was kriege ich denn für mein Geld? Und die Funktion spielte noch eine stärkere Rolle, noch viel stärker als heute. Also wenn man auch viel Geld für so ein Messer ausgegeben hat, edle Materialien, besondere Formen, aber es wurde sehr viel Wert darauf gelegt, dass ich eben halt auch ja mein Kockenöffner funktional habe, dass ich damit jetzt auch entkocken kann und dass das Messer halt auch richtig schneidet sozusagen.

32:39 Und da leitet uns das jetzt über zu den etwas unauffälligeren, aber klassischen Motiven, und zwar hier das Patte de Bélière. Das Patte de Bélière ist ein sehr altes Motiv.

32:56 Das sieht etwas unauffälliger aus, weil es sich hinten um den Abschluss vom Griff handelt. Dieser Griff, der hat so die Form Patte de Bélière, heißt eigentlich die Pfote der Pfote sozusagen auch. Das ist so eine Art doppelt gemoppelt, ja, Pleonasmus oder wie auch immer bezeichnet. Und du hast da hinten sozusagen, jetzt hier in der Plain Edition, hast du jetzt hier hinten, das wie so eine Pfote, hast du jetzt den Abschluss dort.

33:30 Auch so in die Jahrhundertwende hat man das gemacht. Es taucht in dem Musterkatalog jetzt von der Schmiede Kalmel 1907 auch auf. Da sieht man das. Und dieses Messer jetzt hier ist von David de Bélière gemacht worden, in Anlehnung jetzt an dieses alte Motiv. Und er hat jetzt auf dem Rücken, hat er die typische Guillauche, die jetzt halt dort auch verwendet worden ist, von diesem Messermacherkünstler Kokombett, der aus den Bergen und Thiers halt sich auch einen Namen gemacht hat, der bis 1955 aktiv war, hoffetag dort, immer wieder diese wunderbaren Guillauche oben auf dem Ressort draufgesetzt hat.

34:20 Und auch hier dieser Muster, diese Zebramusterung am Ende finde ich auch äußerst interessant, auch selten. Das ist auch so eine Spielart, die findet man bei den Laguils um die Jahrhundertwende so vereinzelt, dass dort so ein Rillenmotiv auftaucht. Was das jetzt genau darstellen soll, da kann man ein bisschen die Fantasie spielen lassen.

34:52 Es ist auch so, dass hier ganz rein Schmuck Aspekte für das Laguils auch herausgearbeitet sind. Es gibt eine besondere Form des Laguils um diese Zeit, das nennt man Serklage. Serklage bedeutet, dass man Metallfäden in die Griffe einzieht und die auch so als gewickelte Strukturen dann hat. Und ich glaube, dass David das auch so ein bisschen nachahmen wollte hierbei.

35:24 Da kommen wir zu der nächsten Form. Das ist auch diese beliebte Skorpionform jetzt endlich. Das ist jetzt eine klassische Köde-Skorpionform. Du siehst jetzt hier, das hatten wir im Grunde genommen schon mal in der Form des Ekaliers vorhin und auch bei dem Grillo hinten. Und da sehen wir jetzt die klassische Form. Dieses hier ist jetzt nachgebaut worden von Stéphane Rambaud. Ist auch ein Messermacherkünstler, auch ausgezeichneter Messermacher in Frankreich. Und der hat jetzt hier von einer alten Schmiede, die sich im Osten von Laguiole befindet, hier ein Köde-Skorpion nachgebaut.

36:15 Du siehst hier natürlich diesen Skorpionsschwanz und der ist so verspielt im Jugendstil dann hinten mit dieser Wölbung dann nach diesen zwei Kugeln am Ende dann da in dem Übergang. Und dann in der Mitte hat er dann auch eigentlich wieder so ein Papillon, so ein Schmetterlingsflügel, L de Papillon-Motiv drin. Dann hast du dort eine Einlegearbeit für so ein Typenschild. Das war um diese Jahrhundertwende und im 19. Jahrhundert ja der Gag, dass man in die Griffe so Schildchen, so Gravierschildchen einarbeitet.

36:49 Das findet man in England, in Sheffield oder in US-Amerika bei den klassischen Motiven dieser Zeit natürlich auch. Und man hat hier eine Arbeit der ursprünglichen Cutellerie Poop. Die Cutellerie Poop ist aus Ussis. Ussis ist ein kleines Dörfchen im Osten von Laguiole, was so eins zu eins nachgebaut worden ist. Hier als eine Einzelarbeit bei Vorsteller Yoll, wo der Stefan eben auch wirkt bis heute.

37:24 das leitet uns dann über zum nächsten Motiv. Das ist das Saint-Jacques. Das ist auch ein ein altes Motiv. Das hat mit Muscheln zu tun. Du siehst hier auch wieder eine Arbeit, die jetzt von der Schmiede Philippe Bouyser ausgeführt worden ist. Da wird in den Griff wird eine Muschelschale eingearbeitet. Und du siehst hier, das wird hier auch mit gut schnitzbaren Beinmaterialien umgesetzt. Warzenschweinbein. Das ist aber auch schon ein sehr altes Motiv. Das taucht auf bei den Schmieden Abalee Jean David und in der anderen Schmiede auch David.

38:17 taucht es halt auch auf. Und das ist so in der Mitte herausgearbeitet. Diese Muschel, die ursprünglich halt auch so ein berühmtes Motiv ist, um eben halt auch so den Pilgerpfad Richtung Meer zum Beispiel. Ich weiß das auch so. In Laguiole geht halt auch ein berühmter Pilgerweg vorbei. Und das hatte man auch so ja sozusagen als eine Art Souvenir bei etwas einfacheren Messern vorgesehen. Und das wurde dann natürlich auch im Laufe der Zeit kultiviert und veredelt sozusagen auch, um das eben halt auch Pilgern verkaufen zu können.

39:04 Und das ist auch wunderbar hier wieder mit den Kennzeichen jetzt auch mit der Vernietung. Du siehst hier das, was dem Philippe Boisier immer am Herzen liegt, wenn er da irgendwas schnitzt. in den Griff, dann wenn er alleine, also alleine das ausführen darf und die Kundenvorgabe nicht zu stark ist, dann macht er eigentlich aber auch kein aufwendiges Gravieren jetzt vom Ressort, von der Feder am Rücken. Das ist dann eher schlichter. Und auch die Biene ist hier relativ einfach gehalten und nicht weiter graviert, sondern die ist hier nur gefeilt.

39:39 Das ist eher eine untypische Biene für Boisier praktisch. Ja, genau. Also das würde er klassischerweise uns ablehnen, so einfache Bienen zu machen. Aber in diesem Fall ist das so, weil er hier das Charakteristische am Griff sieht. Und er hat hier natürlich auch noch vorne die Damastklinge. Diese Damastklinge, die wird in Frankreich von Hand hergestellt. Das macht sein Kumpel, der Schmied Weissier, ist auch selber Messermacher. Und ja, auch ein klassisches Motiv. Und dann haben wir auch ein weiteres klassisches Motiv.

40:22 Das taucht jetzt auch wieder im Zusammenhang mit dem Korkenzieher auf. Wir haben hier ein Thierry Bouchon Klassik. Thierry Bouchon heißt, einfach nur der Korkenzieher. Das hier ist ein dreiteiliges Laguiole von ungefähr 1920. Ein Original in verkaufsneuem Zustand aus der Schmiede Rossignol. Und da siehst du hinten siehst du am Ende des Griffes diese komische Form dort, wo man sozusagen so eine Art, ja, wie soll man das beschreiben, so eine Art Vorsatz, das Knauf hat, der jetzt komplett so in dieser Form in, ja, in Rinderhorn ausgeführt ist.

41:11 Und das Rinderhorn hier ist in so einem rosa Farbton eingetaucht. Das ist dieses Horn, das wurde da in so Barren gepresst. Und das ist eigentlich relativ klar und durchsichtig. Und das hier sieht man, das ist eben ein Original aus dem Jugendstil Art Deco-Übergang, wo man eben von den Farben dann her so, ja, so ein Metall, so Metallspäne dann drunter gemischt hat, die dann so diesen rötlich-roséfarbenen Ton im Hintergrund nochmal gemacht, produziert hat. Und vorne eben mit Stahl-Mitre, Quatsch, mit Messing-Mitre ausgeführt, dieses, dieses Motiv auch eher seltener heute zu finden.

41:56 Und in diesem Erhaltungszustand muss man schon ein bisschen gucken, was man findet. Ja, Messing-Mitre sind ja in Deutschland leider nicht so beliebt. Hier ist mehr so Edelstahl beliebt. Und dieser Tierbuchaut, dieser Kochens hier ist durchaus beliebt, auch bei den deutschen Kunden. Ich erkläre aber immer wieder, dass leider diese Laguiole-Taschenmesser drei Spiralen haben und somit eine ganze Menge Weinflaschen nicht zu öffnen sind. Und ich hoffe, dass da jeder sich bewusst ist, weil viele denken, ich nehme das einfach mal mit und kann unterwegs Weinflaschen öffnen.

42:29 Das ist richtig. Grundsätzlich geht, aber es sind eine ganze Menge Weinflaschen, die einen recht langen Korken haben und da kann man es mit diesem speziell mit diesem nicht mehr öffnen. Also das muss man nicht bewusst sein, wenn man so ein Messer wirklich kauft, um es anzuwenden.

42:48 das ist eine gute Sache. Früher die Weinflaschen hatten halt kürzere Hälse und da waren die Korken halt mit drei Spiralen oder maximal vier Spiralen relativ gut zu öffnen mit diesem Korken Zieren aber so Tools halt auch, das ist halt auch so eine Errungenschaft, die kam dann so aus Deutschland, aus England, Sheffield, wo man mehrere Tools an die Messer dann dran gebaut hat, gibt es auch alle möglichen Formen in der Zeit. früher gab es Laguiole, die tatsächlich auch teilweise zwei, drei solche Tools dran hatten.

43:28 Heute bin ich leider nicht mehr so viele. Mit Korken sie ja schon und es gibt noch eins mit diesem Dorn, nennt sich das. Mir wurde erklärt in Laguiole, dass dieser Dorn früher dafür benutzt war oder wurde, um das in den Bauch der Kühe zu rammern, wenn die Blähungen hatten, damit die Luft einweichen kann. Stell ich mir schon heftige Methode vor, die ist schon ziemlich lang, diese Dorn und das einfach so richtig in den Bauch der Kühe haben.

44:01 es gibt noch weitere Besonderheiten da bei den Tools, also diese Ausbauform mit drei Tools ist natürlich jetzt ein Klassiker, also Klinge, Dorn und dieser Korkenzieher, aber man findet natürlich auch jetzt bei nicht unbedingt bei dem Laguiole selber, sondern bei abgewandelten Formen jetzt, die dem Laguiole ähnlich sind, die auch zu derselben Zeit auftauchen, findet man natürlich noch andere Tools auch. Da wurde dann halt so eine Aale mit eingebaut dort oder aber auch so etwas, wo man oben halt Fischernetze zum Beispiel mitflicken konnte.

44:43 Da ist dann auf dieser Aale oben noch so eine Art Nadelöhr noch mit drin findet, ist dann um zum Beispiel für die Flussfischer die Angelhaken abzulösen. Da findet man dann auch so eine Konstruktion, wo man so einen Haken oben, so einen halben Haken, da wo jetzt die Aale drauf ist oder dieser Dorn ist, oben nochmal diesen Fortsatz mit so einem halben Haken dran. genau. zu enthaken dann diesen Angelhaken dann auch Aber da sind ja so Spezialmesser, die sind nicht so verbreitet.

45:23 Das sind berufsgruppenspezifische Messer, versuchte früher auch alles Mögliche dann damit mit diesem Messer dann auch zu machen Berufsmesser waren dann für die einzelnen Fachberufe auch immer wieder eines Motive, eben halt auch für die Schmieden dann auch Absatz zu sichern. Das muss man eben halt auch wissen. Das leitet uns jetzt über zu unserer letzten Form, die wir heute haben. Das ist Isangou. Das Isangou so wie Bruder und Schwester irgendwo oder Vetter und Cousine. Ist das auch sehr alter Messertyp, jetzt auch Averon, Zentralmassiv durchgängig anzutreffen dieses Isangou, das hat große Ähnlichkeit mit dem Laguiold Druid.

46:17 Das Laguiold Druid hat ja ein bisschen andere Klingenformen. hat so eine Salbei-Blattförmige Klinge und das Isangou hat die auch.

46:29 jetzt etwas nicht mittelspitzer Klinge, sondern ein bisschen runtergezogener mittelspitzer Klinge oben einer Sweat drauf auf dem Das ist so eine falsche Schneide bis dahin, wo eben Nagelhau geführt Also diese kleine Kerbe für den Fingernagel leichteren Öffnen. hinten Typische natürlich Ende dieses Griff Rabenschnabel haben beide Messertypen Laguiole Druid bisschen dann auch Laguiole auftauchen produziert wird produziert wird hier haben eine schöne Idee späten 90er Jahren Schmiede Robert David dieses hier aufzulegen Prototyp zeigt eigentlich alle Besonderheiten auch diesem Laguiole Druid findet Tatsache dass hier eine Monoblock Platine haben also einem Stück auch Mitre einfach ausgefräst daran auch diese etwas seltsame Nietung drauf haben hier zwei angedeutete Nieten drauf auch Monoblock Platine verankert sind dieses Isangou wird normalerweise drei Griff Nieten werden hergestellt dieser Prototyp das ist auch typisch Messermacher Frankreich bevor jetzt eine Schmiede David oder L'Aguel Enum Braque oder Claude Dorsomme hingehen und produzieren jetzt vielleicht größeren Stückzahlen oder auch Serienform dann haben machen sie auch so Designentwürfe und stimmen das mit besonderen Messermachern die sich eine Expertise eben halt auch Skulptieren oder auch Preisen dann beschaffen haben

48:49 und das hier durch Henri Villalion hergestellt Henri Villalion auch einer großen Messermacher 90er Jahre 2000er Jahre heute sein Pension macht glaube ich nicht mehr ganz viel Messern froh dass seine Ruhe Rentner viele Leuten heute Rang und Namen haben sind ausgebildet worden in der Maison Coutellerie in den 80er Jahren Werkstattleiter gewesen und dort solche Leute Robert Bionnet Vigilio Muñoz oder auch Gravelin hat er ausgebildet sind alles Preisträger hinterher auch dekorierte Preise diesen Melieu Au Vier France gewonnen haben selber auch solcher Preisträger damals diese Coutellerie Maison wurde Angel Navajo diesen Preis auch bekommen begründet sozusagen Vorsteller Joll Thiers sozusagen natürlich sehr namhaft auch hier Größen heutigen Zeit besetzt damals alle noch Lehrlinge waren Gesellen waren klein wenn man Glück dieser Zeit Messer dann bekommen dann sollte direkt zugreifen sind nicht ganz teuer oder aber sind eben auch sehr selten oder andere dann auch versehen seinen namens kürzel hinterlassen dann kann aber finde wirklich juberegional weitergehalten werden indem zum beispiel solche Wettbewerbe solche Preise gibt wo man wirklich angehalten wird mach mal damit gewinnst hört auch ganzen Namen ganzen

50:46 Messermark obwohl es messer aber eher absolute insider gedacht nicht breites publikum frankreich finde sehr schade weil messer mark müßler gibt hier oder spanien oder england genauso haben geschafft frankreich wirklich über jahrzehnt jahrhunderte hinweg zu tragen oder dass stolz wenn preis gewinnt gesellschaftlich anerkannt muss franzosen echt lassen haben toll hinbekommen also frankreich tradition auch schon jahrhundert napoleon der dritte hatte damit angefangen sozusagen ungefähr wir wissen dass hier industrielle revolution sozusagen am brummen england findet man hier ersten eisenbahnen dann irgendwie zwischen sheffield zwischen manchester entstehen dieser zeit haben jetzt hier zeit auch handwerk durch staatliche förderung frankreich aufblüht heute tradition über diese wettbewerbe damals napoleon dritten ausgelobt worden sind messen eben halt diesem handwerk sozusagen mehr geltung verschaffen auch hatte vorher zünfte und so weiter das war so wie eine starres system das war alles nicht mehr zeitgemäß einfach werden auch unternehmerische denken handeln zu fördern halt einfach auch und da haben wir wiege natürlich auch genau bald glaube ich freuen wenn wir sprechen auch mein youtube kanal abonnierst und vielleicht auch die kleine glocke entsprechend aktiviert damit für das nächste video veröffentlicht wird du entsprechen darüber

55:15 informiert wirst bis zum nächsten mal da ist der lager

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Justin Jernoiu - Mr. Laguiole
Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Justin Jernoiu (Mr. Laguiole) erstellt. Seit 2004 beschäftigt er sich mit original französischen Laguiole-Messern und betreibt die weltweit größte Spezialisierung auf handgefertigte Laguiole-Messer.

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